Astronomisches bei der 9. Bonner Wissenschaftsnacht …

… musste man gestern in dem reichhaltigen Angebot und zwischen den 20’000 Besuchern schon suchen – hier ein paar Funde.

Den astronomischen Vortrag mit der größten gesellschaftlichen Relevanz, der diesem Blogger jemals untergekommen ist, hielt gleich zu Beginn MPIfR-Direktor Michael Kramer, der auf die hohe Datenintensität moderner Radioteleskope verwies – aber auch tief in die Geschichte griff. So war es ein australischer Radioastronom gewesen, der mal eben die Grundlagen von WLAN schuf – der australischen Forschung brachte das Patent hunderte Millionen Dollar ein [NACHTRAG: noch ein Artikel]. Kramers Credo: Wenn Physiker etwas entdecken, dann kann man es irgendwann auch zu Geld machen …

Im ein Jahr alten Universitäts-Museum – dem ehemaligen Archiv – sticht sofort das Bonner Heliometer hervor, als bei weitem größtes und auch schon fast einziges dreidimensionales Artefakt.

Ansonsten besteht die gezeigte Sammlung weitgehend aus Schrifttafeln – und Papieren. Aber auch da wird der Astro-Fan fündig, mit originalen Oktavkarten, auf die Argelanders Assistenten in dunkler Nacht die Deklinationen von Sternen im Transit kritzelten, und einer Kladde, in die Sternpositionen und -helligkeiten ins Reise geschrieben wurden: Das Ergebnis war die Bonner Durchmusterung. Deren berühmtes – viel kleineres – Fernrohr (hier vorne rechts und hier) hat allerdings im zentralen Uni-Museum ebenso wenig einen Platz gefunden wie die damals verwendete Standuhr: Sie sollen dem Vernehmen nach einmal in einem Mini-Astronomie-Museum im Argelander-Institut in Endenich ihren zu sehen sein.

Eine anti-astronomische böse Überraschung gab es zu späterer Stunde im Freien: blendend helle Scheinwerfer an der Fassade, die selbst das am anderen Ende der nicht eben kleinen Hofgartenwiese gelegene Akademische Kunstmuseum bald taghell erleuchteten. Welche Botschaft sollte denn das vermitteln …? Noch dazu an einem ausnehmend klaren Abend, als mit Mars (ganz rechts) und Saturn (links der Mitte) zwei echte helle Attraktionen warteten, denen man hier statt der bizarren ‚Lichtkunst‘ in geradezu idealer Weise eine öffentliche Beobachtung hätte angedeihen lassen können!

Auch eine kühne Auslegung des Wissenschaftsbegriffs, Nacht oder nicht: Auch wenn es sich um Astrologie aus einem exotischen Kulturkreis handelt, müssen deswegen gleich Horoskope gestellt werden? (Was übrigens nicht das erste Mal an der Bonner Universität vorkam: Das gab es auch schon während eines Dies Academicus vor einigen Jahren …)

Direkt daneben und wieder voll auf dem Boden der Allgemeinen Relativitätstheorie – womit sich auch der Bogen zum Kramer-Vortrag schließt – am Stand des Argelander-Instituts: dieser Blogger durch eine Gravitationslinse in Form gebracht. Und noch am Rande zu erwähnen: ein längeres Gespräch im Wissenschaftszelt mit einem Abteilungsleiter von caesar über neue Entwicklungen für superpreiswerte Nah-IR-Detektoren. Dieses langjährige Forschungsprojekt, vor Jahren schon mal in einem Wissenschaftszelt vorgestellt, erreicht nun allmählich die Anwendungsreife – und könnte vielleicht einmal in der Amateurastronomie um Einsatz kommen … [Daniel Fischer]

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Über skyweek

Astrojournalismus seit 1982

Veröffentlicht am 24. Mai 2014 in Forscher der Region, Veranstaltungsbericht, Vortragsbericht und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. Anna Margarete Czell

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    gibt es eine Möglichkeit, daß ich zu einem astronomischen Vortrag, sofern er für die Öffentlichkeit zugängig ist, eine Nachricht bekomme. So könnte ich teilnehmen.

    Mit Dank und Gruß

    Anna Czell

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