Mit dem Linienbus zum Substurm

23:01 MEZ: 15 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

Gestern wieder eine klare Nacht, Ausschläge der Magnetometer im Norden und grüne Bänder auf einer Live-Allsky-Kamera in der Nachbarschaft schon kurz nach Dämmerungsende: Das konnte nur den Aufbruch zur mutmaßlich besten Beobachtungsstelle auf der dicht besiedelten Insel Tromsøya bedeuten, zu einem bereits gegen Mittag ausgekundschafteten Abschnitt der SW-Küste bei der Telegrafbukta. Doch bis dort ein Substurm gegen 23:00 MEZ die obige Pracht an den Westhimmel malte, die es mit den besten Minuten der Beobachtung am Abend zuvor auf See aufnehmen konnte, war Geduld gefragt …

Der Schauplatz einen halben Tag vorher: Blick nach Westen am Folkeparken Tromsøs vorbei in Richtung der Insel Kvaløya. Ein Standort, der von der Innenstadt aus mit der Buslinie 34 in einer Viertelstunde zu erreichen ist. Abfahrt hier spätabends halbstündlich, letzter Bus um 23:52 MEZ.

21:33 MEZ: 10 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

Der Anblick kurz nach der Ankunft, aus dem Windschatten des oben zu sehendes Häuschens: Der Blick geht entlang des Aurora-Ovals weit nach Westen. Zwar einige Aktivität, aber die Lichtverschmutzung durch Tromsø von rechts verschluckt doch manches schwache Detail. Außerdem driften zeitweise von der Stadt beleuchtete Wolken durch’s Feld.

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21:41 und 22:08 MEZ: 15 bzw. Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

Das Polarlicht blieb zwar zunächst durchweg schwach, verändert aber fortwährend seine Gestalt, so dass keine Langeweile aufkam. Doch ob es noch einmal zu einem Substurm wie früh am Abend kommen würde, wusste noch niemand. Und alle halben Stunden lockte ein Bus zurück in’s Warme …

22:23 MEZ: 20 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

Hoffnung auf mehr Action keimt auf: Das Band wird deutlich heller und kommt in schnellere Bewegung (hier natürlich verwischt), oft die Vorankündigung einer besonders aktiven Phase. Zeitweise schlängelt sich das Band auch quer über den Himmel, dann verblasst es wieder.

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22:43, 46 und 51 MEZ: 15 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 800

Im Laufe des Abends verlagerte sich die Aktität kontinuierlich weiter südwärts und die Kameras schwenkte mit: Links ist bereits der Orion zu sehen. Zwar viele Strukturen, aber an hellen fehlt es. Daher der Entschluss, zum Bus um 22:55 zu gehen – aber denkste …

22:54 MEZ: 15 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

Auf halbem Weg zur Haltestelle plötzlich im Osten sehr helle Aurora-Schlaufen – hier in der Hektik viel zu lang belichtet, so dass sie sich über eine große Fläche verschmiert haben. Im Vordergrund das alte Aquarium der Universität.

22:58 MEZ: eine (!) Sekunde bei Blende 2.8 und ISO 400

An besagter Haltestelle angekommen plötzlich in allen Richtungen helles Polarlicht – unmöglich, die verschiedenen Aspekte auch nur annähernd einzufangen. Praktischerweise hatte der Bus etwas Verspätung, so dass das Einsteigen knapp verhindert werden konnte: schnell zurück vor das Aquarium …

23:00 und 02 MEZ: 15 bzw. 13 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

… und gerade zur rechten Zeit für den hellsten Substurm dieser Stunden, in atemberaubender Pracht wieder über dem Westhorizont aufgetürmt! Das Aufmacherbild liegt zeitlich zwischen diesen beiden Aufnahmen.

23:07, 08 und 09 MEZ: 15 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 400

Hier auch mal bei der ausgeharrt habenden Beobachter mit im Bild, während sich die Struktur des Polarlichts und seine – nur der Kamera erkennbaren – Farben schon wieder verändert haben.

23:14 MEZ: 13 Sekunden bei Blende 3.2 und ISO 800

Das Abschiedsbild – der Bus um 23:22 sollte es dann schon sein – mal zur Abwechslung nicht mit maximalem Weitwinkel sondern heran gezoomt auf 44 (statt 25) mm KB-Äquivalentbrennweite. Wie sich später herausstellte, hatten wir den aktiven Abend schnellerem Sonnenwind aus einem koronalen Loch zu verdanken: Die prächtigen Aufnahmen hier, hier und hier enstanden bei dunklerem Himmel auf Kvaløya selbst und diese eine Insel weiter nördlich – und die Allsky-Kamera zeigte während des besten Substurms dieses Bild. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: die Allsky-Bilder von EISCAT und Magnetometer-Daten aus Tromsø – und das 1. Bild landete hier auf Platz 11 …]

Über skyweek

Astrojournalismus seit 1982

Veröffentlicht am 29. Januar 2014 in Beobachtungsbericht, Bilderstrecke, Eigene Bilder & Videos und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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