Heute vor 10 Jahren: Mein erstes Polarlicht

Polarlicht am 20.11.2003; Lambert Spix

Aus aktuellem Anlass gibt es an dieser Stelle mal einen alten Beobachtungsbericht von mir, denn heute Abend vor 10 Jahren habe ich mein erstes und bisher einziges Polarlicht beobachtet. Hier sind meine damals beschriebenen Eindrücke zur Polarlichtsichtung am 20. November 2003:

Ich glaube es fing gestern alles damit an, dass ich wie jeden Tag einen Blick ins Forum warf und dort die Meldung über neue Polarlichter am frühen Abend fand. Dann habe ich auf allen mir bekannten Websites und Homepages zum Thema „Polarlichtvorhersage“ nachgesehen. Alle Zeichen standen für die hohen, mittleren und niedrigeren Breitengrade auf „Storm“. Der Kp-Wert betrug zu diesem Zeitpunkt noch 7 und die Nadel der „Solar Wind Speed“-Grafik, die ich sonst nur im waagerechten Zustand kannte, stand heute um mindestens 45° nach unten geneigt und war somit im roten Bereich. Irgendwo dazwischen habe ich noch den Ausschlag der Flare-Aufzeichnung gesehen, der genau an der Grenze von M zu X stand. Und endlich habe ich auch das Canopus-Oval wieder gefunden, wobei das Oval genau durch Deutschland verlief. Als letztes schaute ich noch in das AKM-Forum, wo alles bereits voll war mit den aktuellsten Polarlicht-Meldungen: von Radebeul, München, Potsdam über Wien und die Schweiz; bis sogar nach Kroatien muss man es gesehen haben. Einfach unglaublich.

Endlich verstand ich worum es ging und schaute aus dem Fenster. Das war nicht mehr nur ein helles Licht am Nordhimmel, sondern der Große Wagen war in einen grünlichen Schimmer getaucht. Ganz matt, aber feststellbar. Nun musste ich natürlich sofort raus, aber nicht einfach nur raus auf die Straße – ich wollte das Schauspiel in freier Wildbahn erleben. Gegen 19:00 MEZ bin ich mit dem Roller losgefahren und habe ein stilles Plätzchen gesucht.

Und dann geschah es: genau um 19:16 MEZ sah ich ein rötliches Band im östlichen Bereich zwischen Perseus und Fuhrmann, es stand also senkrecht am Himmel. Es sah aus, als würde es sich im Wind bewegen, da sich die Farbintensität immer veränderte. Für mich war es einfach nur rötlich. Und wunderschön. Mit Worten kann man gar nicht beschreiben, was für Farben dabei entstanden. Allmählich wurde das leuchtende Band wieder blasser und verschwand um 19:19 MEZ wieder in den Tiefen des Alls. Der Große Wagen war aber immer noch eindeutig in grünliches Licht getaucht und als ich mich durch Zufall ein paar Minuten später umdrehte, sah ich etwas westlich der Leier im Drache/Herkules-Gebiet eine riesige rote Wolke [siehe Foto]. Das war um 19:25 MEZ und bei genauerer Betrachtung sah sie aus wie eine Flamme. Eine rötlich leuchtende Flamme brannte von der Leier bis fast zum Horizont hinunter. Ein paar Augenblicke später wurde das Rot sichtbar dunkler. Es entstand der Eindruck, dass es wirklich, zumindest für einen Augenblick, dunkelrot war. Auch diese Wolke wehte scheinbar im Wind und durchlief alle Farbtöne im roten Bereich. Am Westrand dieser überdimensionalen Kerzenflamme vermischte sich die Glut mit einem Hauch von Grün. Einfach unbeschreiblich. Wie soll man da Worte finden. Vor einem malerischen Hintergrund hielten sich im Norden ein paar Wolken, aber die störten mich nicht weiter. Der rote Vorhang wurde allmählich zum Horizont hin schwächer, bis er um 19:30 MEZ ganz verblich.

Danach schwang ich mich wieder auf den Roller und fuhr zu meiner Freundin zurück, um ihr von meiner neuen Entdeckung zu berichten. Und während meiner Fahrt kam schon wieder ein Leuchten zum Vorschein. Etwas oberhalb vom Großen Wagen, wenn ich mich nicht irre. Mehr oder weniger zerrte ich an meiner Freundin herum, um ihr den wunderschönen Nordhimmel zu zeigen. Immer noch war das Gebiet im Großen Wagen rötlich eingefärbt und dazu glühte es auch wieder in Richtung Fuhrmann. Später wollten wir noch mit dem Auto eine Tour ins Grüne machen, doch dann kamen die Wolken. Die hatten sich zwar den ganzen Abend über angekündigt, doch nun war der ganze Himmel bedeckt. Gegen Mitternacht sah ich noch einmal zum Fenster hinaus und zu meinem Erstaunen hatte es sich wieder fast völlig aufgeklart, doch das helle Nordlicht hatte sichtbar nachgelassen; gegen 19:40 MEZ hatte es noch bis zum Fuhrmann gereicht. Ich hatte mein erstes Polarlicht gesehen und war natürlich restlos begeistert, auch wenn die Freundin Kritik übte, weil die Farben auf Fotos viel leuchtender und die Vorhänge strukturierter seien – aber irgendwas is‘ ja immer. P.S. „Es ist wirklich rot.“

[Nico Schmidt]

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Veröffentlicht am 20. November 2013 in Beobachtungsbericht und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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