Archiv für den Tag 17. Oktober 2013

Volles Haus – und das Higgs-Feld auf der Bühne

Und wieder folgten die Bonner einer Einladung mit dem H-Wort drauf in Scharen: Die 500 Plätze des Wolfgang-Paul-Hörsaals waren am Ende fast alle besetzt (u.), als Jürgen Kroseberg (oben: links) und Herbert Dreiner in einem zweistündigen – und keine Minute langweiligen – Dreifach-Vortrag recht detailliert auf die Notwendigkeit des Higgs-Mechanismus, die Eigenschaften des assoziierten Teilchens und die neuesten LHC-Daten zu seinen Eigenschaften eingingen.

Originell dabei die Rollenverteilung: Während sich der Experimentalphysiker Kroseberg auf Viewgraphs beschränken musste (LHC-artige Hardware hätte nun mal auch in diesen größten Hörsaal Poppelsdorfs nicht gepasst), illustrierte Dreiner seine Ausführungen mit ein paar realen Experimenten wie hier zur Photonennatur des Lichts (ist ja auch ein Boson) oder zur Symmetriebrechung (durch Temperaturveränderung eines Magneten) …

… während zur ‚Vorführung‘ von Higgs-Feld und -Teilchen per Analogiedemonstration zwei Studenten nebst schwarzem Tuch bzw. Dreiers erster Teddybär als Higgs-Partikel dienten. Auch die halbstündige Diskussion hatte ein durchweg hohes Niveau: Man kann dem Volk (o.k., es waren auch Uni-Mathematiker dabei, die hier – so Dreiner – „mal was über die Natur lernen“ konnten) auch mit Komplexem kommen, wenn man es so gut aufbereitet wie hier!

higgs-saal

Und Kroseberg hatte dem Publikum auch neue Ergebnisse vom LHC mitgebracht: So fallen die Massenangaben für das Higgsteilchen der beiden Detektoren ATLAS und CMS jetzt genau zusammen, was 2012 noch nicht der Fall war, und man ist dem Beweis, dass es wirklich den Spin 0 hat, auch näher. Im Gegensatz zu manch frustrierten Kollegen, die ob der exakten Bestätigung des Teilchen-Standardmodells durch den LHC – bisher ohne Hauch einer ’neuen Physik‘ – barmen, sieht Kroseberg noch viele weitere große Entdeckungen am Horizont, wenn der LHC mit größerer Power wieder läuft: Dann darf sich sicher auch bald wieder das wissbegierige Bonner Publikum in den größten Hörsälen versammeln. [Daniel Fischer. NACHTRAG: noch ein Artikel und eine Seite des Physikalischen Instituts]

Drehtermin für die interstellarum-Sternstunde

Das Web-TV-Format interstellarum-Sternstunde gehört mittlerweile genauso zu interstellarum wie die 8x im Jahr erscheinende „Zeitschrift für praktische Astronomie“ oder der 14-tägige Newsletter. Mit u.a. Daniel Fischer, Frank Gasparini und Moderator Paul Hombach ist die Astronomie-Sendung gewissermaßen fest in den Händen von Hobbyastronomen des Bonner-Sterne-Landes; produziert wird sie von der Leverkusener Firma mindandvision.tv. In der nächsten Folge wird ein Interview mit dem interstellarum-Chefredakteur Ronald Stoyan zu sehen sein, in dem er als Autor des brandneuen Deep-Sky-Atlas den „Sternatlas einer neuen Generation“ persönlich vorstellt. Und gestern wurde es aufgezeichnet, aber diesmal nicht im Studio, sondern bei einem Außendreh am Rande von Sankt Augustin. Während mein großer 12-Zöller (die Sichtbarkeitskategorien im Atlas wurden für Teleskopöffnungen von 4, 8 und 12 Zoll konzipiert) eine Statistenrolle vor der Kamera einnahm, konnte ich so einen Blick hinter die Kulissen der interstellarum-Sternstunde werfen, wobei die Kulisse gestern die Hangelarer Heide war. Zuerst wurde das Material für das Interview gedreht und anschließend folgten noch Aufnahmen, in denen speziell auf einzelne Features des Deep-Sky-Atlas eingegangen wird. Wegen unplanmäßigen Fluglärms durch den nahen Flugplatz Hangelar musste zwischendurch sogar ein Ausweichdrehort aufgesucht werden. Nach zweieinhalb Stunden vom ersten bis zum letzten Take war dann schließlich alles im Kasten. Das Ergebnis wird dann demnächst wie üblich hier im Sendungsarchiv erscheinen. [Nico Schmidt. NACHTRAG: Im Anhang ist nun die fertige Ausgabe zu sehen.]