Mit der Astronauten-Schar im Bonner Alten Wasserwerk

Der XXVI. Planetary Congress in Südwest-NRW ist heute mit der Teilnahme der rund 80 Astronauten aus aller Welt (und aus vier ‚Generationen‘, von Alexei Leonov aus der Pionier-Generation bis zu den Chinesen) an der Eröffnung der noch unfertigen neuen weltraummedizinischen Einrichtung Envihab des DLR dem Ende entgegen gegangen, aber gestern hatte es noch einmal den ganzen Tag Vorträge und eine Art Vor-Abschluss-Festakt gegeben.

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Und zwar im ehemaligen Plenarsaal des Bundestages im Alten Wasserwerk in Bonn: Vormittags referierten Vertreter von ESA und UN über Erdbeobachtung aus dem Weltraum und Satellitenbeiträge zu Umweltfragen, gefolgt von einem weiteren Gruppenbild in der geschichtsträchtigen Kulisse:

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Eine anschließende Pressekonferenz nahm – bedauerlicherweise 🙂 – die gesamte Mittagspause ein. Gerd Gruppe vom DLR-Vorstand benannte dabei China als „großen Hoffnungsträger“ der Raumfahrt, Deutschland als großen Player in der Erdbeobachtung, insbesondere mit Radar, und die ISS als wichtigste Raumfahrt-Infrastruktur aus deutscher Sicht (ohne diese drei Aspekte in einen Zusammenhang zu bringen), und dem früheren Astronauten Gerhard Thiele – der soeben das European Space Policy Institute in Wien in Richtung ESTEC in Noordwijk verlassen hat – hatten es speziell Monets Seerosen angetan: Aus der Nähe könne man zwar den professionellen Pinselstrich bewundern, aber erst von weitem offenbare sich das Gesamtbild.

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In der Diskussion ging es vor allem um die oft problematische Umsetzung der Flut von Satellitendaten der Erde in nutzbare Produkte für die Anwendung, speziell bei aktuellen Katastrophen, für die die UN u.a. in Bonn zuständig ist. Schon die Rohdaten werden von den entsprechenden Raumfahrtprojekten meist nicht einfach zur Verfügung gestellt, und die Veredelung in Geo-Informations-Systemen liegt in der Regel in der Hand kommerzieller Unternehmen.

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Erspähte Astronauten-Prominenz im Bonner Auditorium: oben Veteranen von drei Spacelab-Missionen (Ulf Merbold von der FSLP, Hans Schlegel von D2 und Ernst Messerschmid von D1; ganz hinten D2-Missionsmanager Hauke Dodeck), in der Mitte zwei, die an Hubble Hand anlegten (Jeff Hoffman und Claude Nicollier) und unten der einzige angereiste Apollo-Veteran Rusty Schweickart (Apollo 9), beäugt von Ulrich Walter (D2).

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Wie sich die Raumfahrt-Industrie dies- und jenseits des Atlantiks die Zukunft vorstellt, war das Thema der Nachmittags-Sessions im Wasserwerk: Hier ein paar – eher abstrakte aber um so kühnere – Folien aus dem Vortrag des Astrium-Vertreters Bart Reijnen, nach denen das Ziel natürlich der Mars ist, aber mit einer Raumstation im Mondorbit als Zwischenstation. Die US-Vertreter stellten die immerhin vier laufenden Projekte kommerzieller bemannter Zubringer zur ISS vor, die allerdings nicht vor 2017 zum Einsatz kommen werden und von denen die NASA am Ende wohl nur 1 oder 2 auswählen wird. Der interessanteste Moment kam, als sich Messerschmid mit seinem Astronauten-Kollegen Jim Voss ‚anlegte‘, der für den Minishuttle Dream Chaser warb: Messerschmid findet Raumkapseln viel sinnvoller. (Und nicht nur er, wie der Diskussion hier zu entnehmen ist.)

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Am Ende des langen Tages, der so manchen Astronauten nach der anstrengenden Woche mit dem Schlaf ringen ließ, gab’s noch etwas Musik: Der friedvollen „Mondscheinsonate“ Beethovens (man war ja in Bonn) folgte mit „Borealis“ von Egilssonn ein reichlich bizarres Stück (dessen Einleitungs-Kracher an den Soundtrack der Videos vom Proton-Absturz zwei Tage zuvor erinnerten) – aber die anschließende Aufführung der „Emotions beyond the Earth“ durch über den ganzen Saal verteilte Schüler eines Gymnasiums in Tannenbusch überzeugte. Vorne links der Kongress-Co-Organisator Reinhold Ewald, der sich bereits über den Erfolg des im Vergleich zu anderen Planetary Congresses offenbar ungewöhnlich offenen 26. freuen konnte.

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Diese Schluss-Szene des Bonner Tages (viele weitere Bilder davon in Alben dieses Bloggers und der UN in Bonn) – bevor die Astronauten mit einem Schiff entschwanden – muss man mal wirken lassen: Ein DLR-Weltraummediziner (der andere Kongress-Co-Organisator Rupert Gerzer) gratuliert Bonner Schülern, die gerade in ehemaligen Plenarsaal des Deutschen Bundestages, der dann wiedervereinigungshalber nach Berlin verzog, eine Ode an die Raumfahrt aufgeführt haben, während im Vordergrund der auch von hinten unübersehbare Leonov zuschaut. Der sich all das bei seiner legendären EVA 1965 sicher nicht hätte träumen lassen … [Daniel Fischer. NACHTRAG: Und das Abschiedsdinner heute war … auf dem Drachenfels in Königswinter! NACHTRAG 2: noch ein ganz später Bericht vom Bonner Tag]

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Astrojournalismus seit 1982

Veröffentlicht am 5. Juli 2013 in Uncategorized, Veranstaltungsbericht und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

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