Es war heute vor 30 Jahren … die erste totale SoFi dieses Bloggers

sofi1983Daniel Fischer, verarbeitet von Miloslav Druckmüller

Während einer rustikalen dreiwöchigen Camping-Tour kreuz und quer über die indonesische Hauptinsel Java, die die Sternwarte Neanderhöhe organsiert hatte (und auf die ich kurzfristig über die VdS-Fachgruppe SONNE und insbesondere den niederländischen Beobachter Bob van Slooten, auch hier im Interview, gestoßen war), bin ich heute vor genau 30 Jahren zum ersten Mal in den Kernschatten des Mondes gelangt: im Detail nachzulesen z.B. im SONNE-Heft 27 auf den Seiten 6-12. Der Schauplatz Tanjung Kodok in Lamongan an der Nordküste – heute touristisch stark erschlossen – war damals, bis auf zahlreiche faszinierend bunte Seidenspinnen in ihren riesigen Radnetzen, völlig einsam. Aber nicht an den Tagen rund um den 11. Juni 1983, als sich an diesem „Froschkap“ ein gigantisches Camp von mehreren Profi-Expeditionen wie auch zahllosen Amateurastronomen entwickelt hatte, an das noch heute in Artikeln über die Gegend etwa hier, hier oder hier erinnert wird. Selbst ein Fernsehteam des ZDF hatte sich hierher verirrt, dem unsere Gruppe großzügig Asyl gewährte.

Zahlreiche SoFi-Prominenz war in Tanjung Kodok dabei, etwa Jay Pasachoff, den ich dort kennen lernte, als ich mit einer Journalistengruppe kurzerhand in das scharf bewachte NSF-Camp geschlüpft war, das High Altitude Observatory oder Glenn Schneider (auch hier erwähnt) – oder auch der spätere Kometenentdecker Alan Hale. Obwohl es am Vortag ein Unwetter und sogar einen kleinen Tornado gegeben hatte und der Platz nun „aussah wie Woodstock am Morgen danach“, wie es später in einer trefflichen Reportage von D. Overbye in Discover hieß, war der Himmel während der SoFi weitgehend klar. Zumindest in der ersten Hälfte der 5-Minuten-Totalität war er sogar perfekt transparent, und erst kurz vor dem vierten Kontakt zog es sich zu. Mit zwei Kameras – mit fragwürdigen Teleobjektiven und natürlich noch mit Film gefüllt – machte ich reichlich Gebrauch davon, um nach der Rückkehr die Erkenntnis bestätigt zu finden, dass der Dynamikumfang einer Sonnenkorona unmöglich auf einer einzelnen (Dia-)Aufnahme einzufangen und erst recht nicht auf Foto- oder gar Zeitschriftenpapier zu bringen ist (die vergleichbare Aufnahmeserie hier macht das deutlich).

Energische Experimente folgten, mal wedelnd in der Dunkelkammer, mal die Dias an die Wand projizierend und nachzeichnend (u.a. im o.g. SONNE-Artikel zu sehen), mal mit rudimentärer elektronischer Bildverarbeitung, die aber damals nur neckische Isophoten zustande brachte (siehe SONNE 34 S. 72-73). Zu einem gebührenden Abschluss kam die 1983-er SoFi erst 23 Jahre später, als ich im Sommer 2006 nach der (u.a. Pluto entsorgenden) IAU-Hauptversammlung in Prag noch in Brno den SoFi-Bildverarbeitungs-Crack Miloslav Druckmüller besuchte, sämtliche Originaldias der Java-SoFi im Gepäck. Die scannte er ein – und oben sieht man das Ergebnis der Bemühungen, das sich gar nicht so sehr von der Profi-Aufnahme des HAO am selben Standort unterscheidet und wie diese so gedreht ist wie die Schwarze Sonne damals, vor genau 30 Jahren, am Himmel gestanden hatte. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die bislang 16-mal – und bis auf 2 Fälle auch immer bei gutem Wetter – erneuert wurde: 1988 auf den Philippinen, 1990 in Finnland, 1991 in Mexiko, 1994 in Chile, 1995 in Indien, 1997 in Russland, 1998 auf Curacao, 1999 in Bulgarien, 2001 in Zambia, 2002 in Südafrika, 2005 auf dem Pazifik, 2006 in Libyen, 2008 und 2009 in China, 2010 in Argentinien und 2012 in Australien. [Daniel Fischer]

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Astrojournalismus seit 1982

Veröffentlicht am 11. Juni 2013 in Beobachtungsbericht, Eigene Bilder & Videos, In eigener Sache und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. Hi Daniel, habe gerade Deinen Beitrag hier entdeckt, ja, ich erinnere mich noch sehr gut an Dich als Du in unserem Lager in Paciran, „Cap der Frösche“, angekommen bist.
    Beste Grüße
    Gernot

    • An Tanjung Kodok musste ich erst gestern wieder denken, als während der Mondfinsternis jenes Fotostativ zerbrach, das bei der 1983-er SoFi seine Premiere erlebt hatte und seither für praktisch alle Finsternisse zum Einsatz kam. Auch in Tanjung Kodok war ein noch viel älteres Stativ auseinander gefallen, das ich nach der SoFi direkt vor Ort feierlich beerdigte – ob das noch da ist? Könnte nächstes Jahr ja mal nachschauen … 😉

  2. Jetzt gibt es auch einen 14-seitigen Bericht dieses Bloggers über den SoFi-Tag online, aus dem Buch über die Expedition!

  1. Pingback: Daniels Dies & Das | 32 Jahre nach meiner ersten ToSoFi in Indonesien …

  2. Pingback: Java danach (Tag 6, Teil 1/2): beim Sultan von Jogja | Daniels Dies & Das

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