Archiv für den Monat März 2013

Komet PANSTARRS heute im Rheinland gesichtet!

Lambert Spix

Nach weiterem Schneetreiben heute Nachmittag lockerte es zum Abend ein wenig auf, so dass gleich drei Sternfreunde des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) den lang erwarteten Schweifstern PANSTARRS erfolgreich sichten konnten. KBA-Gründer Andreas Dumm beobachtete in Köln mit einem 10×42-Fernglas, Christian Kiefer gelang zwischen Köln und Gummersbach mit einem 10×50 die Sichtung und in Bornheim hielt zur selben Zeit Lambert Spix den Anblick des Kometen durch ein kleines 8×33-Fernglas mit Stift und Papier fest. Seine um 19:30 MEZ gemachte Beobachtung beschreibt der „Bleistiftastronom“ und Autor so: „Im 8×33-Fernglas war der Komet leicht zu finden mit einer sehr hellen Koma und einem deutlichen Schweif mit leichten Helligkeitsunterschieden.“ Hell ist hier relativ zu sehen, denn nach aktuellen Helligkeitsschätzungen erreicht die sternähnliche Koma höchstens nur noch 2,0mag.

Südlich des Bonner Raums hatte ich dagegen kein Glück mit einer Wolkenlücke zum richtigen Zeitpunkt; zwar war die Mondsichel noch zu sehen, ansonsten gab es aber nur dichte Wolken. [Nico Schmidt]

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NACHTRAG: Soeben erreichten mich die Aufnahmen von Patrick Müller, der Mitglied der Volkssternwarte Bonn ist und der den Kometen heute Abend von seinem Balkon (!) in Bonn-Endenich aus sichten und fotografieren konnte.

Aufnahmen mit 185mm, ISO 400 und 4sec bei f2.8. [Peter Oden]

NACHTRAG 2: Ein Video von PANSTARRS über Bonn gibt es auch – von Alex Tudorică, der hier beschreibt, wie es beim neunten(!) Versuch, inklusive welcher am Tage, doch noch geklappt hat. [Daniel Fischer] NACHTRAG 3: Wie hier zu erfahren, stand dieser Beobachter auf dem Dach des Argelander-Instituts in Endenich. [Daniel Fischer]

Bonner Astronomen informierten über ihren Beruf

Dieser Astrotermin war keine übliche Vortragsveranstaltung, denn hier plauderten Bonner Astronomen mal über ihren Beruf und interessierte Schüler hörten zu. Im Rahmen der Hochschultage der Uni Bonn, eine Art „Schnupperwoche“ für Oberstufenschüler, wurden gestern zwischen 15 und 19 Uhr im kleinen Hörsaal des Argelander-Instituts für Astronomie (AIfA) spannende Forschungsgebiete der Astronomie vorgestellt und in gleich zwei Beiträgen erhielt man einen Überblick über das Studium und den Berufsalltag eines Astronomen. Professor Uli Klein, Postdoc Nadya Ben Bekhti, Doktorand Lars Flöer und Student im letzten Master-Semester, Dominik Klaes, der zurzeit Daten mit dem VLT-Survey-Teleskop sammelt, informierten in lockerer Atmosphäre über ihren Beruf – und so war wunderbar vom alten Hasen, der schon in vier Jahren in Ruhestand geht, bis zum Studenten der gesamte Werdegang eines Astronomen vertreten. Zwischendurch stellte sich auch der Astroclub, dem das 50cm-Teleskop auf dem Institutsdach zur Verfügung steht, mit einigen Worten vor.

Die mehr als 25 Schüler aus den Klassen 11 bis 13 hatten zum Teil eine Anfahrt von über zwei Stunden und kamen sogar noch aus Koblenz angereist. Aus erster Hand und sehr informativ konnte Dominik Klaes über das heutige Studium berichten; der Student hatte sich als Versuchskaninchen vorgestellt, da er als erster den neuen Bachelor- und Master-Studiengang mitmachte. Physiker werden immer gesucht – „Biologen sind alle arbeitslos“ -, das erklärte auch Radioastronomin Nadya Ben Bekhti, die zwar damals in der 11. Klasse Physik abwählte, aber dann doch in der Astronomie gelandet ist und heute ist es ihr absoluter Traumberuf, erzählte sie ganz begeisternd. Und so fasste die 34-Jährige den Beruf des Astronomen ganz typisch mit einer Abkürzung zusammen: Abenteuer-Staunen-Teleskop-Reisen-Ohnegleichen-Naturwissenschaft-Organisation-Mathe-International-Exotisch

Sie erzählte sehr lebendig über den ersten Besuch des Gornergrat-Observatoriums und von ihrer Arbeit am australischen Parkes-Radioteleskop, wo sie zum Nachfüllen des Kühlmittels zusätzlich zum flüssigen Stickstoff eine Machete in die Hand bekam, und noch mehr Abenteuer gab’s in den Niederlanden. Hier war in einem Winter „Schlammarbeit“ angesagt, als sie mithalf drei Dipolantennen-Stationen des LOFAR-Radioteleskops, dessen Kernstück (Superterp) bei Exloo ausgerechnet auf sumpfigem Boden errichtet wird, aufzubauen. Anschließend folgte in 16 Schritten noch ein Einblick in den Berufsalltag, der u.a. aus Anträge für Beobachtungen und Gelder schreiben, Datenreduktion und Öffentlichkeitsarbeit besteht und offenbar mit viel Kaffee verbunden ist. Als Astronom muss man ganz einfach Teamworker und Organisationstalent sein und alles Durchbeißen durch’s Studium hatte sich gelohnt, wie die Astronomin weiter erklärt, als sie die erste Wolke im Halo der Milchstraße entdeckte, was sie heute als „schönstes Geschenk“ bezeichnet. [Nico Schmidt]

In Gedenken an Hilmar Duerbeck und Waltraut Seitter

„Zu den bedeutenden, aber eher dezent im Hintergrund wirkenden Astronomen in Deutschland gehörte Hilmar Duerbeck.“ So erinnerte letzte Woche noch der Deutschlandfunk an den außergewöhnlichen Astronomiehistoriker Hilmar W. Duerbeck (1948 – 2012), der plötzlich und unerwartet am 05. Januar 2012 in seinem Haus in der Eifel verstarb. Er wurde nur 63 Jahre alt. Etwas über ein Jahr nach seinem frühen Tod fand gestern in Bonn ein Gedenkkolloquium statt, das federführend Wolfgang Dick vom Arbeitskreis Astronomiegeschichte der Astronomischen Gesellschaft (AG) zusammen mit Christiaan Sterken und mit Michael Geffert als Gastgeber veranstaltete.

Dick, der viele Jahre mit ihm im AG-Arbeitskreis als Herausgeber zusammenarbeitete und nun die Geschichte des Astronomiegeschichtlers Duerbeck für einen Gedenkband aufarbeitet, gab einen Überblick über sein Leben und Wirken, es ging um die „großen Linien in Hilmar Duerbecks Leben“. Dabei staunt er selbst sogar über vorher unbekannte Dinge, über die Fülle seines geistigen Schaffens, und findet u.a. heraus, dass sein Kollege ursprünglich Dürbeck hieß und dann ab 1973 die internationale Schreibweise Duerbeck verwendete.

Die veränderlichen Sterne, besonders die Novae, waren die Lieblingsobjekte des Bonner Astronomen Duerbeck, doch schon kurz nach seiner Doktorarbeit über VV Ori, eingereicht im Jahr 1974, erstellte er eine Bibliografie der astronomischen Literatur der Uni Bonn. Im Laufe der Zeit wurde die Beschäftigung mit astronomiegeschichtlichen Themen immer intensiver, vor allem in seinen letzten 10, 20 Jahren. Über eine Arbeit zu Carl Wirtz, für die er sogar mit seiner Enkeltochter sprach, kam der Historiker schließlich mit der Geschichte der Kosmologie in Berührung. Durch eine viel beachtete Arbeit, „surely was a ground-breaking piece of historical research“, trat sogar der Kosmologe Georges Lemaître endlich aus Hubbles Schatten heraus.

Hilmar Duerbeck, war nicht nur national sondern auch international angesehen, was sich auch an zwei englischsprachigen Kolloquiumsbeiträgen zeigte. Zahlreiche Lehrtätigkeiten führten ihn ins Ausland, er betreute u.a. Disserationen an der James Cook University in Australien und wurde Mitglied in verschiedenen IAU-Komissionen, zuletzt seit ca. 2003 in der IAU Commission 41 für Astronomiegeschichte. Als Mitglied einer Venustransit-Arbeitsgruppe beschäftigte er sich hier intensiv mit der Historie von Venusdurchgängen.

Das Gedenken an den Menschen Hilmar W. Duerbeck wäre aber nicht vollständig, ohne gleichzeitig an seine Frau Waltraut C. Seitter (1930 – 2007) zu erinnern, mit der er seit 1975 verheiratet war und die nach langer Krankheit etwa vier Jahre vor ihm am 15. November 2007 verstarb, heute aber nicht einmal ein Grab besitzt. So ging es in dem Gedenkkolloquium nicht nur um die Blütezeit der Bonner Eifel-Sternwarte Observatorium Hoher List (OHL), sondern auch um die bewegte Geschichte der Astronomie in Münster, wohin sie 1975, im Jahr ihrer Hochzeit, als erste Astronomie-Professorin berufen wurde.

In Bonn hatte sie sich 1965 habilitiert und bereits mit dem zweibändigen „Bonner Spektralatlas“ – die zwischen 1963 und 1968 am Schmidt-Teleskop in der Eifel aufgenommenen Daten wurden um 1970 veröffentlicht – ein ehrgeiziges Projekt abgeschlossen. Und unter ihrer Leitung erlebte schließlich die Münsteraner Astronomie eine Blütezeit. Michael Nolte, dessen umfangreicher Vortrag zweigeteilt werden musste, konnte ausführlich aus erster Hand über diese Zeit berichten, wie in den 80er und 90er Jahren unter Waltraut Seitter erste Computer und zwei große sog. Mikrodensitometer in den siebten Stock zur Analyse von Fotoplatten angeschafft wurden und wie um 1990 in HTML die erste Instituts-Homepage auftauchte. Mit diesen PDS-Geräten gingen die Astronomen in Münster ein gewaltiges Kosmologie-Projekt – das Münster Redshift Project (MRSP) – an, bei dem 7 Millionen Galaxien vermessen wurden, um vor der Ära der Weltraumteleskope und Großteleskope etwas über die Verteilung von Galaxienhaufen zu erfahren.

Aber bei allen Zahlen und Fakten aus dem außergewöhnlichen Leben von Hilmar Duerbeck und seiner Frau Waltraut Seitter, erhielt man in den Vorträgen stets auch einen persönlichen Eindruck von den beiden Astronomen, die zwar in der Welt zuhause waren, aber immer in ihr Haus in Schalkenmehren zurückkehrten. Gewissermaßen waren sie Jahrzehnte lang sowas wie die Nachbarn des großen Eifel-Observatoriums, immerhin wohnten sie im letzten Haus in der Straße, die hoch zu den Teleskopkuppeln auf dem Hohen List führt – so sind sie doch immer Bonner Astronomen geblieben.

Enge Freunde, ehemalige Kollegen und Referenten erinnerten sich auf ihre eigene Art an das Ehepaar Duerbeck/Seitter. Andreas Hänel erinnerte sich an Kartoffelsalat mit Würstchen, an Weihnachtsfeiern mit Bowle dachte man, eine astronomische Sonifikation fiel jemandem ein, Christiaan Sterken (empfehlenswert sind seine Erinnerungen mit einem Goethe’schen Titel), Astronom in Brüssel, erzählte von Spaziergängen und lustigen Postkarten von Hilmar, man erfuhr wie schwer es die erste Astronomie-Professorin anfangs hatte und wie über einen Bierdeckel zwei kleine Asteroiden nach Hilmar Duerbeck und Gisela Münzel benannt wurden. Frau Münzel (*1929) – im Foto zusammen mit Duerbecks Patensohn -, die die letzten 12 Jahre mit Duerbeck zusammenlebte, war für das Gedenkkolloquium extra aus Leipzig angereist. Nachdem Michael Geffert mit einem Flügelhorn für einen musikalischen Abschluss sorgte, unterhielt ich mich noch etwas mit der 84-Jährigen. So erzählte sie mir u.a. noch, wie sie kurz nach dem Krieg von einem Trümmerberg aus mit dem geliehenen Schulfernrohr in die Sterne schaute und kurz danach mit dem Fernstudium der Astronomie in Jena begann.

Und spätestens wenn sie von ihrem Hilmar als einen „sehr aufmerksamen und gutwilligen Menschen“  spricht, wird klar, dass nicht nur die Freunde und Fachleute der Astronomiegeschichte einen unersetzbaren Menschen verloren haben. [Nico Schmidt]

Bonner Reisebüro durch PANSTARRS im Brennpunkt des Medien-Interesses

Angela Weidenbach und Stefan Krause, die Bonner Betreiber eines Reisebüros in der Südstadt, haben sich weit aus dem Fenster gelehnt und einen mutigen Schritt getan, als sie bereits vor einiger Zeit eine Boeing 737-700 der Fluggesellschaft Air Berlin gechartert haben, um sie mit Interessierten auf einen Spezialflug in die luftige Höhe über Deutschland zu schicken. Dort soll sich dann für die begeisterten Reiseteilnehmer – betreut auch durch den Wissenschaftsjournalisten Daniel Fischer – ein in dieser Qualität sonst nicht möglicher Ausblick auf den Kometen PANSTARRS bieten.

Kurz vor Beginn der Sichtbarkeit in Deutschland und des dazu gehörigen Veranstaltungsprogramms in Bonn erregt diese Aktion nun auch zunehmendes Interesse der nationalen und internationalen Medien. So wird nicht nur der WDR diesen Flug begleiten, sondern es finden sich mittlerweile auch Hinweise auf dieses Ereignis bei

Nachrichtenagentur ReutersBusiness InsiderSpace.comHuffington PostTravel&TourTimes Of MaltaPress Relations, …..

um nur ein paar zu nennen.

Der Countdown läuft (auch für diesen Blogger 🙂 ). [Peter Oden] Ursache der ganzen Berichte war eine Pressemitteilung der Air Berlin Group, die am 4. März in Deutsch und Englisch verbreitet wurde. [Daniel Fischer. NACHTRAG: Impressionen des Fluges selbst sind in diesem Artikel und in diesem und diesem Bilderalbum zu finden!]

Zeitenwende bei der Volkssternwarte Bonn

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: das Auszähl-Ergebnis der Vorstandswahlen für die Bonner Volkssternwarte bei der Hauptversammlung heute Abend. Die Hälfte der sechs Gewählten sind auch Mitglieder des Köln-Bonner Astrotreffs, zwei davon zudem Redakteure dieses Blogs und Mitglieder der Sternfreunde Siebengebirge – und der Gründer der 41 Jahre alten Vereinigung (und seitdem ständig geschäftsführendes Vorstandsmitglied) ist mit weniger als der Hälfte der Stimmen der 27 Anwesenden ausgeschieden. So also das Ergebnis nach einer energischen Aussprache über die Krise der traditionsreichen Vereinigung (Disclaimer: Der Autor ist seit 32 Jahren Mitglied …) in den vergangenen Jahren und glaubwürdigen Statements der dann Gewählten, wie sie das Ruder herum zu reißen gedenken. Sie wollen nun die VSW Bonn auf einen modernen Kurs bringen und insbesondere die Kommunikation der Mitglieder untereinander und mit dem Vorstand auf elektronischem Wege voranbringen. Und der Verein wird weiter an der Vision arbeiten, endlich eine Volkssternwarte im Wortsinne zu werden: Der Antrag des alten Vorstands, das Projekt Sternwarte auf zu geben, wurde von der Versammlung zurückgestellt – stattdessen werden dessen Steuerungsgruppe reaktiviert und vernachlässigte Hausaufgaben schleunigst nachgeholt. [Daniel Fischer. NACHTRAG: eine Reaktion aus Bad Honnef]

PANSTARRS über Deutschland: Es geht los!

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Jedenfalls theoretisch, denn ab dem 6. März steht der sehnlich erwartete Komet, der bereits heller als 2.0 mag. geworden ist, erstmals nach Sonnenuntergang noch über dem Horizont – für 50° nördliche Breite, was für den Köln-Bonn-Königswinteraner und relativ gut auch für den gesamten deutschen Sprachraum gilt. Dieses Diagramm ergänzt die Tabelle in diesem Artikel und basiert auf einer präziseren Version dieser Tabelle: Als aufeinder getürmte Säulen dargestellt ist für jeden der 15 Tage vom 6. bis 20. März, wie lang der Komet jeweils in der bürgerlichen (0 bis 6 Grad Sonnendepression; weiß), nautischen (6 bis 12 Grad Sonnendepression; einfach schraffiert) und astronomischen Dämmerung (12 bis 18 Grad Sonnendepression; doppelt schraffiert) sowie in der Nacht (schwarz) über dem abendlichen Westhorzont steht; die Gradzahlen nennen die Kometenhöhe bei den Übergängen zwischen den Dämmerungsphasen. Ob und wann sich der Komet jeweils für das bloße Auge, optische Hilfsmittel und/oder Kameras – evtl. mit speziellen Filtern – aus der Dämmerung schält, wird man sehen; zu beachten ist auch, dass seine Helligkeit gegen Ende des dargestellten Zeitraums schon deutlich zurück gehen dürfte, während der Mond am 17. März einen Beleuchtungsgrad von 30% überschreitet und zu stören beginnen könnte, auch wenn sein Winkelabstand vom Kometen von 50° auf 80° ansteigt. [Daniel Fischer. NACHTRAG: das Diagramm jetzt auch in schöner …]