Archiv für den Tag 18. Februar 2013

WDR zu Gast bei den „Sternfreunden Siebengebirge“

Das kleine blaue Schaf im Bad Honnefer Garten von Christian Preuß, Gründer der „Sternfreunde Siebengebirge“, wird nicht schlecht gestaunt haben, als heute Nachmittag auf wenigen Quadratmetern fünf Teleskope samt allerlei elektronischem Equipment dicht gedrängt aufgebaut wurden. An anderer Stelle stand noch ein 8-Zoll-Dobson von Skywatcher und mein kleines 80mm-Richfield-Fernohr bereit. Außer mir war von Seiten des Köln-Bonner-Astrotreffs (KBA) noch Peter Oden dabei. Zu einem Interview-Termin mit den „Sternfreunden Siebengebirge“ hatte sich nämlich der WDR, der zu dritt gegen 16:15 MEZ ankam, angekündigt. Und das Beste hierbei: der Himmel war tatsächlich klar! Mit dem Wetter hatten also Sternfreunde wie Filmteam absolut Glück.

Nachdem ich über Peters Sichtung von Jupiter am sonnigen Taghimmel staunte und ihn durch sein Teleskop sogar mit Wolkenbändern sehen konnte, versuchte ich es mit meinem Weitwinkel-Teleskop und dem 40mm-Okular. Und tatsächlich: Während Christian Preuß Fragen beantwortete und sich auch andere Sternfreunde vor der Kamera vorstellten, fand ich ein paar Grad neben dem Halbmond – die Jupiterbedeckung lag geschätzt einen halben Tag zurück – den Gasplaneten als winziges Scheibchen bei 10-facher Vergrößerung am blauen Taghimmel. Der Abstand war zwar schon wieder gewachsen, dennoch zeigte mein Übersichtsokular beide Objekte auf einen Blick. Das beeindruckte nicht nur mich, sondern auch die Familie und Freunde, die sich unter die Hobbyastronomen mischten. Im 8-Zöller ließ sich bei höherer Vergrößerung sogar Io als schwacher Lichtpunkt auf blauem Hintergrund neben dem gestreiften Jupiter entdecken – und alles am späten Nachmittagshimmel. Ein wunderbarer Anblick.

Christian, der auch mal ein Stück des Sikhote-Alin-Meteoriten in die Kamera hielt, erzählte über seine Leidenschaft für die Astronomie, eigene Beobachtungserlebnisse und seine langfristigen Pläne mit den „Sternfreunden Siebengebirge“: Teleskoptreffen auf dem Drachenfels, Planetenwanderweg im Siebengebirge und eine Sternwarte in Bad Honnef. Nun steht aber erstmal der deutschlandweite Astronomietag am 16. März an, aus dem er gleich zwei Tage macht und auch am 17. März eine öffentliche Aktion anbieten will. Sobald die Orte für die öffentlichen Beobachtungen in Bad Honnef feststehen, werde ich sie auch in meinen Astroterminen für Bonn bekanntgeben.

Als sich das Filmteam gegen halb 7 verabschiedete, war Jupitermond Io schon sehr dicht an seinen Planeten herangerückt. Da die Reporterin noch nicht wusste, wann der Beitrag geschnitten wird, war auch noch offen, wann er in der WDR-Lokalzeit ausgestrahlt wird. Eine Stunde später dann, als nur noch Christians 12- und 8-Zöller aufgebaut waren, konnten wir bei ruhigen Seeing-Momenten tatsächlich in beiden Geräten Io vor dem Jupiter sehen – durch den guten Kontrast zu einem dunklen Wolkenband. Abschließend überraschte uns sogar noch die ISS in Venushelligkeit. [Nico Schmidt]

NACHTRÄGE: Dann hier noch die erwähnte Tagaufnahme von Jupiter, die ohne besonderen Aufwand erstellt wurde (DMK21 im C9.25, 2.350mm), wobei natürlich die Hintergrundhelligkeit abgesenkt wurde. Links ist noch der Mond Io lange vor seinem Transit zu erkennen. [Peter Oden] Noch mehr von dem Dreh ist auch hier zu finden. [Daniel Fischer]

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Bonner „Sammlung historischer Himmelsaufnahmen“ inkl. Vorträge

Im neuen Programmheft „Museen und Sammlungen der Universität Bonn“ zu aktuellen Veranstaltungen und Ausstellungen, wird auch auf den Schatz aus 15.000 Himmelsaufnahmen der Bonner Astronomen hingewiesen. Dazu kann nun eine Sammlung im Argelander-Institut für Astronomie (AIfA) besichtigt werden. Sie umfasst in erster Linie Karl Friedrich Küstners Fotoplatten, die zwischen 1899 und 1922 in einem neu errichteten Nebengebäude der Bonner Sternwarte in Poppelsdorf am größten Fernrohr von Bonn entstanden. Außerdem enthält sie Beobachtungsmaterial von 1952 bis 2010 des Eifel-Standortes Observatorium Hoher List (OHL), das vergangenen Sommer geschlossen wurde, und von 1932 bis 1960 aufgenommenes Plattenmaterial des 34cm-Zeiss-Astrographen auf dem Hainberg der Sternwarte Göttingen.

Ein ganz frisch gehobener Teil des Schatzes tauchte erst 2012 in den Weiten des AIfA-Archivs auf und ist nun ebenfalls Bestandteil der Sammlung. Es geht um die gefundenen Beobachtungstagebücher von Julius Schmidt, der vor seiner Zeit als Bonner Astronom kurz an der Sternwarte Düsseldorf-Bilk arbeitete. Hier entdeckte er im Juni 1845 unabhängig einen hellen Kometen und konnte ihn an neun Tagen beobachten; Schmidts Zeichnungen sind sehr wahrscheinlich die einzigen Darstellungen des großen Juni-Kometen (C/1845 L1 oder 1845 III), der ein paar Tage zuvor von Antonio Colla entdeckt wurde.

Die Sammlung kann nur nach Rücksprache besichtigt werden, Anfragen dazu bitte an Herrn Michael Geffert: geffert(at)astro.uni-bonn.de

Herr Geffert, der auch den gezeigten Youtube-Clip mit Julius Schmidts Kometenzeichnungen von 1845 erstellte, wird im Rahmen der historischen Sammlung außerdem drei Vorträge halten, was ebenfalls im AIfA in Bonn-Endenich stattfinden wird.

05. April um 19 Uhr: „Die hellsten Kometen der letzten 200 Jahre“

03. Mai um 19 Uhr: „Unser Mond – Beobachtungen, Aufnahmen, Theorie“

31. Mai um 19 Uhr: „Spektren – Der Schlüssel zur Erforschung der Sterne“

[Nico Schmidt]