Astronomisches in der Staub-Ausstellung im Poppelsdorfer Schloss

Staub ist mehr als nur Wollmäuse im Hausflur. Davon konnte man sich bis gestern in der Sonderausstellung „Vom Stein zum Staub“ im Poppelsdorfer Schloss überzeugen [ERGÄNZUNG: auf hier schon im Mai hingewiesen wurde sowie auf eine Bildergalerie der weltraumbezogenen Exponate; DF]. Den Mondstaub-Vortrag im Mai hatte ich leider verpasst, doch am Freitag zum vorletzten Ausstellungstag hatte ich es doch noch ins Mineralogische Museum des Schlosses geschafft.

Direkt am Eingang zur Sonderausstellung wartet bereits der größte Halbedelstein Deutschlands: Ein zwei Meter langes und 2,5 Milliarden Jahre altes Tigerauge. Seit genau vier Jahren steht das farbenprächtige Bändererz hier im Museum und Anfang 2012 kam die frohe Botschaft, dass das 150kg-Tigerauge durch Spenden auf Dauer in Bonn bleiben darf.

Und neben Löß als verwehtem Staub der Eiszeiten, schädlichem Asbeststaub, Staubproben bekannter Bauwerke und Vulkanasche …

… fand sich auch reichlich Ausstellungsmaterial zu astronomischen Themen: z.b. durch Staub gefärbtes Abendrot, verschiedenste Meteoriten, die Kometenstaub-Mission Stardust, Infrarotteleskope und kosmischer Staub, „Sternenstaub“ und die Chemie der Sterne.

Eine von Luna 24, der letzten Mission des sowjetischen Luna-Mondprogramms, im Sommer 1976 mitgebrachte Bodenprobe – von insgesamt 170 Gramm. Die Probe der Basaltdecke im südlichen Mare Crisium ist 3,2 Milliarden Jahre alt.

Mitgebrachtes von Neil Armstrong und Buzz Aldrin, den ersten Menschen auf dem Mond: Gesteinssplitter aus dem Mare Tranquillitatis und die mit Apollo 11 mitgereiste Deutschlandfahne.

Neben zwei über 3 Milliarden Jahre alten Mondmeteoriten (eine Scheibe von DaG 400 und in Staubform Dho 911) sind noch weitere meteoritische Staubproben zu sehen, die sogar Asteroiden zugeordnet werden können.

Eine weitere Vitrine zeigte die unterschiedlichsten Meteoritentypen (u.a. ein wunderbares Exemplar des 1822 in Chile gefundenen Imilac mit grünlichen Olivinkristallen) …

…, darunter den Forsbach-Meteoriten, der nach seiner langen Reise vom Asteroiden (6) Hebe im Sommer 1900 auf ein Acker bei Rösrath östlich von Köln niederging – und Bauer Volberg nur um einen Meter verfehlte!

Ein heller Komet mit markantem Staubschweif (inkl. dünnem Gasschweif) aus Julius Schmidts Beobachtungsbuch. Schmidt kam 1846 an die eben fertiggestellte Bonner Sternwarte und blieb, bis Argelander seine berühmte „Bonner Durchmusterung“ begann.

Der Inhalt der beiden Eimer neben der Vitrine mit dem SOFIA-Modell und einigen Infrarotaufnahmen sollen die Menge von 25 Litern darstellen, die an kosmischem Staub täglich auf Deutschland herabrieselt. Für die Erde gerechnet geht man von insgesamt 40.000 Tonnen Staub im Jahr aus.

Die chemische Analyse der Sterne wird durch ein 34 Zentimeter großes und rund 60 Jahre altes Objektivprisma der Bonner Astronomen des Observatorium Hoher List (OHL) veranschaulicht. Es wurde am 1953 aufgestellten Schmidt-Teleskop (50 Zentimeter Spiegel, 34 Zentimeter Öffnung, 1,4 Meter Brennweite) genutzt, womit in den 1960er Jahren der „Bonner Spektralatlas“ entstand. Das Projekt von Waltraut Seitter, die die erste Astronomie-Professorin Deutschlands war, wurde als zweibändiges Werk (1970 und 1975) veröffentlicht. Nebenstehend sind Karten aus ihrem Spektralatlas und ein Originalnegativ mit Sternspektren ausgestellt.

[Nico Schmidt]

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Veröffentlicht am 5. November 2012 in Ausflugsbericht, Bilderstrecke und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

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