Archiv für den Tag 2. Oktober 2012

„Very Kölsch Telescope“ in Köln feierlich eingeweiht

Innerhalb weniger Tage lief mir am Wochenende bereits zum dritten Mal in Folge der Kölner Stadtanzeiger über den Weg, denn am Samstag (29. September) wurde in der Aula des Schillergymnasiums in Köln-Sülz das Doppeljubiläum der Volkssternwarte  gefeiert und zugleich das drei Tage zuvor aufgebaute größte öffentliche Fernrohr in NRW eingeweiht.

Der Verein der Kölner Sternfreunde feiert 2012 ihr 90. Bestehen und außerdem den 50. Geburtstag der „Dachsternwarte“ auf dem Gymnasium und beschenkt wurden sie dabei von den unzähligen Leuten, durch die eine Spendensumme von 125.000 Euro zusammenkam. Nach an der Schule nicht realisierbaren Plänen eines Planetariums entstand so das vermutlich erste Bürgerteleskop Deutschlands und das größte in NRW. Rund 8x leistungsfähiger soll das Cologne Large Telescope (CLT) sein, in das Matthias Wirth, der Vater des neuen Fernrohrs, ungefähr 500 Arbeitsstunden investiert hat.

Hermann-Michael Hahn führte durch den Festakt und u.a. auch durch einen Vortrag zur 90-jährigen Vereinsgeschichte der Kölner Sternfreunde (vor dem Hintergrund unseres Wissens um die Andromedagalaxie M 31), dazu gab es noch reichlich Grußworte von Vertretern der Stadt und Schule.

Auch Matthias Wirth, der seine Teleskopbauer-Karriere als 10-jähriger mit den Gläsern von Großmutters Ersatzbrille begann, wurde kurz auf die Bühne gebeten. Dabei wurde auch Herrn Bongardt gedankt, der seine „Theaterwerkstatt“ für den Fernrohrbauer als „Teleskopwerkstatt“ zur Verfügung stellt.

Gewissermaßen für das Geburtstagsständchen war der Bonner Sternfreund Paul Hombach, der das neue 60cm-Fernrohr als „Very Kölsch Telescope“ bezeichnete, mit zwei Musikblöcken verantwortlich und gab wie üblich am Keyboard abwechslungsreiche Vertonungen astronomischer Daten zum besten. Der Klangkosmos gab so einiges her: Von einer Bach’schen Venus-Fuge, über einen „Gruß aus Bonn“ mit einer Klangcollage aus Beethoven und der Bonner Durchmusterung, bis zu flotten Pulsaren-Rhythmen mit Funk, Blues und Techno im Blut. Von Pauls astronomischen Sonifikationen kann man schon bald mehr auf der Bühne hören.

Nach den 90-minütigen Feierlichkeiten …

Paul im Gespräch mit dem ESA-Astronauten Reinhold Ewald, der wenige Tage zuvor einen Raumfahrt-Vortrag gehalten hatte.

Um 13 Uhr gingen schließlich die ersten Besucher hoch in die Sternwartenkuppel mit dem Kölschen Bürgerteleskop. Hermann-Michael Hahn, Reinhold Ewald und Paul Hombach bestaunen das 60cm-Teleskop.

Mit einem Sektglas in der Hand führte Matthias Wirth ebenfalls sein neues Werk vor.

Außerdem erzählte Wirth, dass seine neueste Arbeit, ein Riesenfernglas mit zwei 12-Zoll-Optiken im Auftrag von Synta bereits fertig ist und bald zu seinem unbekannten Besitzer nach China transportiert werden kann.

Und während man oben binokular mit 270-facher Vergrößerung einen Ausschnitt der Dachantenne des 100 Meter entfernten Hochhauses beobachten konnte, nutzte man unten auf dem Schulhof die Wolkenlücken für ein wenig H-alpha-Sonnenbeobachtung.

Des Weiteren wurde hier über die Veranstaltung gebloggt. Und da bleibt mir nur noch zu sagen: clear skies und immer eine Handbreit bestes Seeing unter’m Tubus!

[Nico Schmidt]

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„Beethoven und die Bonner Durchmusterung“

So etwas wie die Veranstaltung gestern im Deutschen Museum Bonn kann es eigentlich nur in dieser Stadt geben: ein Beethoven-Konzert, gemischt mit lokaler Astronomiegeschichte der letzten 200 Jahre – mit einem Bonner Astronomen (Michael Geffert) am Pult und seinem Bruder (Johannes Geffert, mit Gerald Hambitzer) an einem Broadwood-Piano von 1810 aus dem Besitz des letzteren sowie einer Sängerin (Marie Seidler). Eröffnet von der mitreißenden Klaviersonate für vier Hände D-Dur Op. 6 – die besten online aufzutreibenden Interpretationen von erstem und zweitem Satz – reichte das Spektrum von den Anfängen der Bonner Astronomie, die erst im Zusammenhang mit einer Ausstellung im IYA 2009 intensiv erforscht worden war, bis zu den Asteroidenentdeckungen durch Bonner Astronomen. Den Zusammenhang zum Bonner Star-Komponisten Beethoven stellte dabei der Kleinplanet Nr. 1815 her, allerdings eine Heidelberger Entdeckung und mit 18 mag. Oppositionshelligkeit Ende des Jahres auch keine große Leuchte. [Daniel Fischer. NACHTRAG: ein weiterer Bericht vom Abend]