Erster Festvortrag der Kölner Volkssternwarte

Am Abend vor der großen Kran-Aktion, bei der an der Volkssternwarte Köln die alte Teleskopsäule durch eine schwerere Montierung für das neue 60-Zentimeter-Fernrohr ausgetauscht wurde, fand der erste Festvortrag anlässlich des 50. Geburtstags der „Dachsternwarte“ statt. 1962 wurde die Sternwartenkuppel in Köln-Sülz fertiggestellt und seitdem beobachten hier die Kölner Sternfreunde vom Dach des Schillergymnasiums.

Für den ersten Vortrag am Dienstagabend konnten sie den deutschen Astronauten Reinhold Ewald gewinnen, der einen Blick in die nächsten 50. Jahre der (bemannten) Raumfahrt werfen sollte. Ewald besuchte 1997 für drei Wochen die Raumstation MIR und ist heute in Paris als Berater für den Kabinettchef des ESA-Generaldirektors tätig. Zu Auszeichnungen wie der russischen Tapferkeitsmedaille (für seine Tätigkeit als „Feuerwehrmann“ auf der Raumstation) und der Ehrenmitgliedschaft des Karate-Dojo seiner Heimatstadt Mönchengladbach, wurde der 55-jährige zu Beginn des Abends von Hermann-Michael Hahn (frisch mit dem Bürgel-Preis ausgezeichnet) als Ehrenmitglied der Kölner Volkssternwarte ernannt.

Ewald spannte den Bogen von Jules Vernes Visionen einer Mondreise …

… über die Raumfahrt-Anfänge mit Sputnik und Gagarin vor gut 50 Jahren bis zu „Europas Tradition der Erforschung der Welt“, an dessen Ende die Huygens- und Rosetta-Missionen genannt wurden. Zwischendurch hörte man auch kurze Geschichten zu seiner Kindheit, wo natürlich Clarkes Klassiker „2001“ und ein damals 12-jähriger bei der Landung von Apollo 11 auftauchte, und Jugend, in der die astronomischen Bücher von Isaac Asimov und ein deutsches Raumschiff sein Interesse weckten.

Um die aktuelle Lage der Raumfahrt, einzelne Hauptpunkte der europäischen Raumfahrt sowie die heutige Aufteilung des Budgetkuchens der ESA ging es im Hauptteil, und dennoch war es ein durchaus kurzweiliger Vortrag. So wurde auch die ein oder andere Aufnahme des ISS-Astronauten André Kuipers, der angeblich 500.000 Fotos auf der Raumstation gemacht hat, gezeigt. Hier war Ewald jedenfalls in seinem Element, denn der Astronaut liebt es, Ausschnitte der ISS zu erklären.

Die titelgebenden „zweiten 50 Jahre der Raumfahrt“ klangen leider nur kurz am Ende an, angesprochen wurden u.a. lediglich die bekannten NASA-Pläne an, aber ansonsten umschiffte er irgendwelche kühnen Aussichten gekonnt mit Mark Twain, der schon zum zweiten Mal an diesem Abend zu Wort kam: „Prognosen sind äußerst schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“. Oder um es mit Willy Brandt zu sagen: „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten“.

Vor einer wunderbaren ISS-Strichspuraufnahme wurden abschließend bis kurz vor 10 noch Fragen beantwortet.

[Nico Schmidt]

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Veröffentlicht am 28. September 2012 in Vortragsbericht und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

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