Archiv für den Tag 10. Juli 2012

Andromedagalaxie zum Sommeranfang

Die weißen Nächte und der derzeit tiefe Stand über dem Osthorizont waren für KBA-Sternfreund Michael Hillen kein Grund zum Sommeranfang einfach mal die Andromedagalaxie M 31 fotografisch festzuhalten. Eine Woche nach der Sonnenwende nutzte er am 27. Juni gegen 2:00 Uhr eine Wolkenlücke und richtete seinen 10-Zöller auf die rund 2 Millionen Lichtjahre entfernte Welteninsel. Und nach 22 Einzelbildern entstand nach insgesamt 18 Minuten Belichtungszeit diese tiefe Aufnahme, in der sich sogar Objekte der 18. Größenklasse identifizieren lassen (mit der Referenzaufnahme von Wolfgang Paech).

In der oben gezeigten Kernregion sind 29 Kugelsternhaufen markiert, auch die LBV-Veränderlichen 15 und 19, die 1929 von Edwin Hubble entdeckt wurden, sind zu erkennen. Beide Sonnen sind zwar nur ungefähr 17,0mag hell, sie zählen dennoch zu den hellsten Einzelsternen der Andromedagalaxie und mit fast 100.000 Sonnenleuchtkräften strahlen diese Sternriesen so hell wie Antares (Skorpion) oder Rigel (Orion). [Nico Schmidt]

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„Aus nach 60 Jahren“: Was wird nun aus dem Observatorium Hoher List?

Was viele schon wussten, ist vor einer Stunde auch ganz offiziell verkündet worden, im Newsletter der Universität Bonn Nr. 7/2012 vom 10.07.2012:

Observatorium Hoher List: Aus nach 60 Jahren

Zum tiefsten Bedauern der Universität Bonn ist das Observatorium Hoher List zum 1. Juli 2012 nach rund 60 Jahren Betrieb geschlossen worden. Obwohl sich Rektor Jürgen Fohrmann zuletzt persönlich für die Erhaltung des Observatoriums eingesetzt hatte, konnte kein tragfähiges Finanzierungskonzept für die Anlage gefunden werden. Noch ist unklar, was aus der Einrichtung wird. Sie ist Eigentum des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW.

Der Unsicherheit entsprechend fehlt auch der in den Newslettern sonst übliche Link zu einer Pressemitteilung mit mehr Details. Die findet man, zumindest was die Vergangenheit und geäußerte Visionen für die Zukunft betrifft, beim AIfA, in einem Papier von Michael Geffert, beim Förderverein des Observatoriums Hoher List e.V. und im Astrotreff. [Daniel Fischer. FOTO: Nico Schmidt, bei einer öffentlichen Beobachtung unter dunklem Eifelhimmel während des IYA 2009]

Sonnenfleck mit bloßem Auge, helle Nova im Fernglas

Am Samstag drehte sich auf der Sonne eine neue prominente Fleckengruppe (links unten) rein und ist derzeit ohne Probleme mit bloßem Auge sichtbar. Es reicht beispielsweise schon eine Finsternisbrille, um den etwa neptungroßen  Hauptfleck freisichtig zu erkennen. Weitere Einzelheiten der großen Fleckenregion zeigt bereits ein kleines Fernglas; die Längsausdehnung erreicht schon die Ausmaße Jupiters.

Montagmittag entstand diese Aufnahme freihändig mit einer 14x-Superzoom-Kamera und Sonnenfilter davor.

Während wir am Samstag mit schönstem Sommerwetter verwöhnt wurden, entdeckten zeitgleich zwei Hobbyastronomen in Japan eine neue helle Nova im Sternbild Schütze. Wenige Stunden später wurde sie spektroskopisch bestätigt, so dass es sich bei dem neuen Stern tatsächlich um den vierten Nova-Ausbruch im Schützen in diesem Jahr handelt. Eine brauchbare Aufsuchkarte findet sich hier, die Nova Sgr 2012 #4 steht 2° nördlich von delta Sgr.

In den letzten beiden Nächten konnte ich bei wechselnder Bewölkung den neuen Lichtpunkt mit einem Fernglas sichten. Normalerweise würde ein einfaches 10×50 ausreichen, wegen der horizontnahen Dunstschichten musste ich jedoch auf ein 20×60 ausweichen. Damit war die derzeit rund 8,0mag helle Nova leicht zu erkennen. [Nico Schmidt]

Bonner Physiker informieren über den Stand der Higgs-Jagd

„Kurz vor der Inbetriebnahme des LHC war für diese ‚Weltmaschine‘ flächendeckend Werbung gemacht worden,“ war hier letzte Woche bemerkt worden: „Man darf gespannt sein, wie jetzt die Ergebnisse kommuniziert werden sollen.“ Die Antwort kam gestern per E-Mail vom Physikalischen Institut der Uni Bonn:

„Am vergangenen Mittwoch wurden am Europäischen Forschungszentrum für Elementarteilchenphysik CERN die neuesten Ergebnisse der Suche nach dem Higgs-Teilchen vorgestellt. Messungen der Experimente ATLAS und CMS am Large Hadron Collider (LHC) zeigen deutliche Anzeichen für ein neues Elementarteilchen, welches das bereits vor Jahrzehnten postulierte Higgs-Boson sein könnte. Bonner Arbeitsgruppen sind seit vielen Jahren an Bau und Betrieb des ATLAS Detektors sowie der Auswertung der Daten stark beteiligt.

Um diese bahnbrechende Entdeckung näher vorzustellen, laden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Physikalischen Instituts der Universität Bonn am Mittwoch den 11. Juli 2012 zu einer öffentlichen Abendveranstaltung ein. In allgemein verständlichen Vorträgen erklären sie den physikalischen Hintergrund, die Messung und die Entdeckung eines neuen Elementarteilchens. Die Veranstaltung wird im Hörsaal 1 des Uni Hauptgebäudes (Regina-Pacis-Weg 3, 53113 Bonn) stattfinden.“ [Daniel Fischer]