Archiv für den Tag 8. Juni 2012

Milchstraße, Mondaufgang – und ein Meteor (in der Ecke)

Der jeden Tag spätere Mondaufgang über Gennadi erlaubt jetzt immer bessere Blicke auf Schütze, Skorpion und die dort besonders helle Milchstraße – und ein langsamer, heller Meteor mit mehreren Helligkeitsmaxima hat sich oben links im zweiten Bild teilweise bemerkbar gemacht. [Daniel Fischer]

Besuch bei den künftigen Astronomie-Apartments von Rhodos!

Völlig überraschend erreichte die KBA-Expedition in einem Straßencafé in Rhodos gestern Nachmittag ein Anruf – just als wir gerade über das Fehlen astronomischer Attraktionen auf der Insel lamentiert hatten: am Apparat der Initiator der Sternwarte und Apartments „HIPPARCHOS“, auf dessen Webseite ich schon mal gestoßen war, den zu kontaktieren wir aber bisher verabsäumt hatten.

Praktischerweise liegt die Baustelle gleich südlich der Inselhauptstadt bei Faliraki, und so standen wir zwei Stunden später schon davor – und trauten unseren Augen kaum. Stergos Manolakas ist ein erfahrener Amateurastronom und vor allem ein begeisterter: Hier baut er gerade an der Apartment-Anlage, die noch dieses Jahr fertig werden soll, …

… und dahinter hat schon ein regelrechter interaktiver Astronomie-Park Gestalt angenommen, der didaktisch wie künstlerisch Maßstäbe setzt. Hier Blicke vom Haus Richtung Meer (hinten sind eine Sternwarte und ein Sonnenprojektions-Observatorium im Bau) …

… und von der Plattform auf demselben Richtung Apartments. Während in der Sternwarte ein größerer Refraktor oder Reflektor aufgestellt werden soll, dessen Livebild auch auf den TV-Geräten in den Wohnungen verfügbar sein wird(!), werden in der Sonnen-„Dunkelkammer“ clever eingespiegelte Heliostaten- und Spektrographen-Bilder erscheinen.

Auch der Blick nach Süden kann sich sehen lassen: die Anthony-Quinn-Bucht, die dem Schauspieler geschenkt (und dann wieder weg genommen) worden war, nachdem er sich bei den Dreharbeiten zu den ‚Guns of Navarone‘ in die Gegend verliebt hatte.

Wie wir jetzt erfuhren, hatte dabei der Großvater von Manolakas ein Grundstück abgeben müssen, als Ausgleich aber jenen Platz auf dem Hügel verlangt und bekommen, wo nun Stergos HIPPARCHOS baut. Sicher eine der astronomischen Einrichtungen mit der besten Aussicht auf diesem Planeten.

Schon weitgehend fertig ist der astro-didaktische Park zwischen Apartments, Stern- und Sonnenwarte: Da gibt es eine Sonnenuhr mit dem Besucher als Gnomon, …

… eine Visualisierung der unterschiedlichen realen Durchmesser von Sternen in Kombination mit den Peilrichtungen und Entfernungen vieler Städte auf der Erde, …

… einen steinernen Sessel, von dem der Blick genau durch den Ring neben dem Eingang auf die untergehende Sonne am Tag der Sommersonnenwende fällt, …

… ein 2D-Modell der Plejaden, …

… ein 3D-Modell der Cassiopeia und noch einiges mehr (inklusive zahlreicher Sonnenuhren unterschiedlicher Bauweise).

Die Besucher waren enorm beeindruckt und wünschen Stergos (links) – übrigens Sohn eines Griechen und einer Österreicherin und bestens mit den Astroszzenen Griechenlands wie Mitteleuropas vernetzt – allen Erfolg bei seinem kühnen Projekt! Die Astro-Apartments, die wöchentlich (50 €/Tag) und monatlich (30 €/Tag) vermietet werden sollen und über schnelles Internet verfügen werden, richten sich nicht primär an Hardcore-Amateurastronomen (für die der stadtnahe Himmel wohl nicht dunkel genug wäre) sondern mehr an ’normale‘ Touristen, die aber etwas anderes als ‚das Übliche‘ vom Urlaub erwarten: „A different kind of holiday,“ steht auf Stergos‘ Visitenkarte. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: ein Bericht zwei Monate später, die fertige Sternwarte im Dezember hier, hier, hier und hier und auf noch viel mehr Bildern und Bilder vom September 2013]

Die Venus heute: Hörnerspitzen immer noch weit übergreifend, Ring vielleicht noch geschlossen

Zwei Tage nach dem Venustransit war die Venus heute morgen am anhaltend stahlblauen Himmel von Rhodos leichter zu finden als zwei Tage davor – da halfen wohl der etwas größere Winkelabstand und die günstigere Lage relativ zur Sonne am Himmel. Hier zwei afokale Spontanschüsse durch’s Okular des großen Refraktors, diesmal ohne Herschelkeil: Der Autofokus hatte diesmal kein Problem, sich an der Venus-Sichel fest zu beißen. Die besten Einzelbilder wurden hier im Kontrast angehoben: Ob der Ring noch geschlossen ist, lässt sich hier nicht sagen. Im Okular hatte man manchmal den Eindruck; gerade werden große Datenmengen mit der DMK aufgenommen, um der Sache mit stringenter Bildverarbeitung auf den Grund zu gehen. Der große globale Live-Blog zum Venustransit ist übrigens letzte Nacht mit einer großen Liste neuer Links zu spektakulären Bildern und Videos abgeschlossen worden: Dabei erfährt man auch, dass der Venusring in Kroatien noch etwas knapper vor dem Transit als bei uns erwischt worden war – na ja, von jenem Astrofoto-Star, der den Mond am liebsten direkt neben der Sonne ablichtet … [Daniel Fischer]