Archiv für den Tag 4. Juni 2012

Noch mehr Rhodos-Venüsse, eine erste Landpartie – und eine feurige Herausforderung …

Nach den ersten Erfolgen am Vormittag ging die Jagd nach der Extrem-Venus weiter, jetzt mit Sonne & Planet fast im Zenit und einer DMK direkt im Fokus. Aus den besten 2% von 3000 Bildern (mit dem Refraktor auf 11 cm abgeblendet und mit Grünfilter) ist dann das hier in zwei Darstellungen – Originalauflösung und kontrastgesteigerte Vergrößerung – gezeigte geschärfte Summenbild entstanden: Der Ring geht ganz herum, d.h. es wird bereits zwei Tage vor dem Transit Sonnenlicht von der Atmosphäre über der dunklen Seite ‚um die Ecke‘ Richtung Erde gebrochen! [NACHTRAG: Nein, es handelt sich diesmal um Lichtstreuung, nicht -brechung.] Andere Bilder von heute hier und hier haben diesen noch subtilen Effekt ebenso wenig erfassen können wie eine besonders scharfe Venus von gestern. Zur gleichen Zeit fand auch eine partielle Mondfinsternis statt, von der fast in Echtzeit Bilder im Web zu sehen waren – ein paar Impressionen hier, hier (mehr), hier, hier (aus Saporro), hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Nachdem das erledigt war, folgte die erste größere Insel-Rundfahrt, die von unserem Appartement (das Gebäude ganz links, oben der mögliche Beobachtungs-Balkon) in der ‚Innenstadt‘ von Gennadi

zum Strand führte (der in diesem Luftbild gut zu sehen ist): ähnlicher Horizont, ein bisschen weniger Kimmung, mehr Wind – was würde das für das Seeing bedeuten, das heute morgen auf dem Balkon ziemlich bewegt war, sich im Laufe des Tages aber besserte?

Die Rundreise führte weiter nach Westen Richtung Apolakkia, wo in der Kirche Agios Georgios O Vardas (für die es unzähliche Schreibweisen gibt)

wie von Reiseführern versprochen Fresken aus dem 13.(!) Jahrhundert stellenweise verblüffend gut erhalten sind –

hier mit 8-strahligen Sternen neben einer Darstellung offenbar des namensgebenden Georgs.

Die in der Kirche vorhandenen Kerzen wurden auch zu einem spontenen Lötversuch (mit der Drahtbindung eines Heftchens als Lötkolben) an der Stromversorgung der Teleskopmontierung ausgenutzt, leider ohne Erfolg. Aber siehe unten!

Abstecher an die Prasonisi Beach an der Südspitze von Rhodos, wo sich in der steifen Brise – so mancher Besucher fühlt sich hier eher an die Nordsee denn das Mittelmeer erinnert – auch jetzt schon Wind- und v.a. Kite-Surfer tummeln.

Und das Site-Testing für den Venustransit geht weiter: hier oberhalb des Lachania-Strandes, wo die Straße von Kattavia auf die Ostküste trifft. Wohl ideale Sicht auf die aus dem Meer aufsteigende venusbedeckte Sonne, aber viel Wind,

doch immerhin wäre die Dekoration (auf der gegenüber liegenden Straßenseite) attraktiv …

Ein Stückchen näher an Gennadi (wo die Straße nach Lachania abgeht) auf der im obigen Bild hinten sichtbaren Mini-Halbinsel wäre die Sicht auch nicht übel, wohl aber wieder der Wind …

Und zurück am Strand von Gennadi ein spektakulärer Aufgang des – leider nicht mehr verfinsterten – Vollmonds über dem Meer.

Zu guter Letzt noch die Fortsetzung der Löt-Operation im Appartement, mit einer Kerze aus der Kirche (natürlich bar bezahlt) und einem Feuerzeug und einer Büroklammer aus Kattavia als Lötkolben – jetzt hat es funktioniert. Und der Venustransit kann kommen … [Daniel Fischer, Tobias Kampschulte und Susanne Hüttemeister]

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Ein Bonner auf Rügen

Tag -2 : Ankunft und Vertrautmachen

Für den Venustransit hat dieser Blogger sich Rügen ausgesucht – watch local! Na ja, nicht gerade bis nach Rhodos, aber immerhin 750km und mit Pausen 8 Stunden später bin ich am Ziel angekommen. Maßgeblich war die Überlegung, dass man umso mehr vom Venustransit zu sehen bekommt, je weiter nach Osten und nach Norden man geht.

Schon vor längerer Zeit fiel die Wahl auf eine kleine Pension und dort auf eines der beiden sogenannten Strandzimmer. Eigene Terasse vorm Zimmer, direkt am Sandstrand und unverbauter Blick aufs Meer bis zum Horizont – und das Ganze nach Nordosten. Zumindest theoretisch also schon recht gute Voraussetzungen – jetzt muss nur das Wetter noch mitspielen.

Während wetter.com für Mittwoch Morgen noch aufgelockerte Bewölkung verkündet, wissen meteoblue und der norwegische Wetterdienst yr.no seit heute Morgen schon mehr – sie versprechen wolkenfreien Himmel. Zumindest konnte man das Abendessen und das Bier (Lübzer Pils) auf der Restaurantterasse noch im kurzen Hemd und im Sonnenschein genießen.

Morgen früh werde ich mal schauen, ob man was vom Sonnenaufgang erkennen kann und mir die genaue Richtung markieren.

Let’s hope for the best for this blogger….

Viele Grüße nach Köln/Bonn und an die Rhodos-Expedition!

To be continued….

[Peter Oden]

Die Venus am rhodesischen Himmel – ~40 Stunden vor dem Transit!

Erstaunlich problemlos ist es Tobias heute Vormittag gelungen, die Venus in ca. 3° Sonnenabstand per Differenzsuche von der Sonne aus ins Okular des 6-Zoll-Refraktors zu bringen – und im Herschelkeil(!) ist der Anblick von Extremsichel wie Himmelshintergrund richtig angenehm. Oben und unten zwei Fotoversuche durch’s Okular: Die Hörnerspitzen greifen nun schon weit über (was in den kontrastgesteigerten Bildern allerdings deutlicher als beim direkten Blick ist). Und soeben kam noch ein Anruf: Morgen kommt spontan ein weiteres KBA-Mitglied als Untermieter, das es in Deutschland nicht mehr aushält … NACHTRAG: … während eine weitere (Ein-Mann-)KBA-Expedition nach Rügen aufgebrochen ist und dort auch recht gute Wetteraussichten hat. Auch ein Webcast (eines anderen) ist von dort geplant. [Daniel Fischer]

Site-Testing in Rhodos: Sonnenaufgang vom Balkon

Letzte Nacht: Der Vollmond über Gennadi spiegelt sich im Meer – Blicke vom größeren Ost-Balkon unseres Appartements.

Sonnenaufgang heute morgen: Punkt 5:55 OESZ (2:55 UTC) erschien das erste Stück Sonne über der Lindos-Halbinsel, in einem intensiv-grellen Rot, das keine Kamera wiedergeben kann. Aufnahmen mit einer Bridge-Kamera bei maxi- und minimalem Zoom. [Daniel Fischer]

Der Aufgang mit einer DSLR durch einen 8-cm-Refraktor: Am Ende ist unten auch ein Sonnenflecken zu sehen, vermutlich AR 1494. [Tobias Kampschulte]