Archiv für den Monat Mai 2012

Die ringförmige Sonnenfinsternis als Internet-Event

Von den bekannter Bonner Sternfreunden – im weiteren Sinne – wollten meines Wissens nur Tobias Kampschulte und Friedhelm Dorst in die Annularitätszone der SoFi reisen, die sich diese Nacht von Ostchina bis in den Westen der USA erstreckte: nach Japan bzw. Arizona. Es ging aber auch anders: Hier kann man – in inverser Chronologie – nacherleben, wie sich die Nacht aus Sicht eines „Remote-Beobachters“ in Deutschland abspielte Zahlreiche Webcasts und Social Media schütteten ein wahres Füllhorn an Bildern und Eindrücken aus, fast so als wäre man wirklich dabei gewesen (im Screenshot z.B. der geschlossene Ring über Kalifornien). Bei einer Ring-SoFi kann man das ja mal machen, da derartige Finsternisse aufgrund ihrer speziellen Eigenschaften – klein und extrem grell – eh nur mit technischen Hilfsmitteln zu beobachten sind, während ihre Einflüsse auf die Umwelt bis auf etwas fahler werdendes Licht eher gering ausfallen. Bei totalen SoFis, die direkt betrachtet werden können und rundherum dramatische Effekte für alle Sinne hervor rufen, dürfte das Fern-Erleben allerdings – mit heutiger Technik jedenfalls – weit deutlicher gegenüber der Realität abfallen …

Kann man den Bau einer Volkssternwarte „crowd-funden“?

Das Problem wird Kennern der Bonner Volks-Astro-Szene nicht unbekannt sein: Teleskope sind vorhanden, auch potenzielles Personal, das damit gerne Astronomie für die Bevölkerung betreiben möchte – aber es fehlt das Geld für den Bau eines festen Gebäudes für diesen Zweck, einer Volkssternwarte im eigentlichen Wortsinne. So ergeht es sein nunmehr gut drei Jahren der Volkssternwarte Bonn, die korrekterweise eigentlich ein „in spe“ im Titel tragen müsste, weil eine feste Sternwarte eben seit nunmehr 40 Jahren nur eine Vision ist. Die Teleskope aber nicht: Im März 2009 stimmte eine Mitgliederversammlung der VSW Bonn einhellig gegen den damaligen Vorstand und für das Angebot des Argelander-Instituts für Astronomie, zwei dicke Teleskope auf dem Institutsdach (Bild oben) als Grundstock der ersten echten Bonner Volkssternwarte zu übernehmen; ein Bild dokumentiert den historischen Augenblick.

Der Abbau der Teleskope folgte gleich im nächsten Monat – aber seit nunmehr 37 Monaten warten sie, eingelagert bei einem Mitglied, auf ein neues Zuhause. Das zu finanzieren, gäbe es, mangels vermutlich nicht ausreichenden Eigenmitteln, drei Möglichkeiten: die öffentliche Hand (derzeit wohl utopisch), Groß-Sponsoren aus der lokalen Wirtschaft (keine in Sicht) – und viele Kleinspender, die es zusammen stemmen. Das hat in NRW schon mindestens einmal geklappt, bei der Volkssternwarte Ennepetal nämlich. Die finanzierte ihr schmuckes Vereinsheim neben der Teleskopkuppel durch zahlreiche Sponsoren, darunter auch viele Privatleute, die nicht namentlich genannt werden wollen, warum auch immer.

Genau denselben Weg will nun auch ein Volkssternwarten-Projekt in den USA im Bundesstaat New York gehen, das Teleskope aber kein Gebäude dafür hat: Große und kleine Spenden werden nun gesucht. Wobei es sicher hilfreich ist, dass die Initiative von einer prominenten jungen Amateurastronomin ausgeht, die mit 14 Jahren eine Supernova entdeckte und später Ehrengast auf Präsident Obamas Starparty zum IYA war (im Bild rechts). Warum eigentlich sollte derartiges „Crowd-Funding“ nicht – nach gezielter Promotion des Projekts, mit oder ohne Astro-Stars – eigentlich auch in Bonn funktionieren? Eine Art Präzedenzfall aus der Bonner Wissenschafts-Vermittlung gäbe es sogar: Die Anschaffung eines prächtigen Riesen-Minerals durch ein Museum der Uni wurde Anfang diesen Jahres auch durch viele Kleinspender zusammen ermöglicht … [Daniel Fischer]

ISS-Mond-Durchgang am Taghimmel über Meckenheim beobachtet

Heute morgen konnten Stefan Krause und ich einen Taghimmeltransit der ISS vor dem Mond in Meckenheim beobachten (8:00:35 MESZ)!Aufgenommen wurde das Video mit einer Canon EOS 550D an meinem 6“ Refraktor bei 990mm Brennweite. Belichtungszeit 1/4000 Sekunde je Bild bei 800ASA. Obwohl noch leichter Morgendunst im Land hing, ist die beleuchtete ISS gut zu erkennen, allerdings nur im HD-Modus! [Wilfried Bongartz. Vorhersage-Grafik: Stefan Krause. NACHTRAG: ein Bericht von letzterem – im Feldstecher war die ISS nicht zu sehen. NACH-NACHTRAG: Zwei Tage vorher wurde ein ISS-Vorübergang bei Ulm beobachtet, wo die ISS den Mond aber verfehlte]

Noch exakt drei Wochen bis zum Venus-Durchgang!

So wird das Ereignis – am 6. Juni zwischen 0:09 und 6:50 MESZ – in Bonn aussehen, wo die Volkssternwarte eine öffentliche Beobachtung am Alten Zoll durchführen wird, natürlich erst ab Sonnenaufgang. Zur Einstimmung sieben ausgewählte Videoclips aus aller Welt, zu ganz unterschiedlichen Aspekten des Phänomens, dem in einer Woche auch ein weiterer Vortrag in Bonn gewidmet werden wird. Nur noch genau fünf Tage sind es derweil zu einer ringförmigen SoFi im pazifischen Raum, die hierzuland leider komplett unsichtbar bleibt und nur per Webcasts v.a. aus Japan verfolgt werden kann. Oh, und dieser Blog wurde soeben zum 1500. Mal angeklickt, wobei gestern mit 223 Zugriffen der stärkste Tag war: Aus 18 Ländern kamen die ‚Besucher‘, und dank eines einsamen Argentiniers sind nun alle Kontinente außer der Antarktis dabei gewesen. [Daniel Fischer]

Lucky Imaging oder wie aus einem Ganzen mehr als die Summe der Teile wird

Gestern hatte dieser Blogger über die Möglichkeit von durchaus akzeptablen Planetenaufnahmen auch unter dem Stadthimmel von Bonn berichtet. Zum Tragen kommt hierbei ein Verfahren, in dem der Planet nicht fotografiert, sondern gefilmt wird. Hierfür reicht bereits auch eine einfache WebCam aus! Aus der Menge der (üblicherweise bis zu mehreren Tausend) unscharfen Einzelbilder eines Videos wird ein wählbarer Prozentsatz von Bildern (meistens zwischen 5% und 30%) je nach Qualität (Schärfe und Kontrast) automatisch ausgewählt.


Unscharfes und verrauschtes Einzelbild einer Videosequenz

Die gewählten Bilder werden anschließend von der Software zu einem einzigen Bild überlagert. Dieses überlagerte „Summenbild“ wirkt im ersten Moment äußerst unscharf und verwaschen, da sich in diesem Summenbild auch Seeing-Effekte („Tanzen des Planeten im Okular“) überlagern, so dass kleine Details regelrecht verwaschen werden.

Anderseits ist das Summenbild aber durch die Überlagerung vieler Einzelbilder fast rauschfrei! Werden bei einem Video mit 3.000 Bildern 30%, also 900 Bilder überlagert, so geht das Rauschen auf ca. 3% seines ursprünglichen Wertes zurück! Dies gestattet es später, Schärfungsalgorithmen anzuwenden, die die gewünschte Bildinformation aus dem „weichen“ Bild wieder herausholen.

Übliche Wahl zum „Stacken“ der Bilder eines  Videos ist das Programm Giotto von Georg Dittié oder neuerdings auch Autostakkert! von Emil Kraaikamp. Autostakkert! bietet die Möglichkeit, im Bild mehrere „Ankerpunkte“ zu setzen. Durch Luftunruhe verzerrte Einzelbilder können so automatisch wieder entzerrt werden, so dass Details des Planeten passgenauer übereinander zu liegen kommen. Man erkennt deshalb in der zweiten Version bereits etwas mehr Details.


Überlagertes Summenbild in Giotto


Überlagertes Summenbild in Autostakkert!

Die anschließende Schärfung des Bildes erfolgt ebenfalls in den Programmen. Autostakkert! arbeitet hierbei mit Dekonvolution, Giotto mit dem Mexican-Hat-Filter. Bei den Ergebnissen hat Giotto hierbei leicht die Nase vorn, so dass es sich durchaus lohnt, das mit Autostakkert! gestackte Bild in Giotto zu laden und dort zu schärfen.


Vergleich eines Ausgangsbildes mit dem Endergebnis (Autostakkert! / Giotto)

Wenn man solche Bild mit Vorher/Nachher vor sich sieht, ist man geneigt, an Zauberei zu glauben 😉 Auf eine weitere Bearbeitung wie z.B. Weißabgleich wurde an dieser Stelle bewusst verzichtet, um nur die Grundprinzipien aufzuzeigen. Ich wünsche allen viel Spaß bei eigenen Experimenten in diesem Bereich. Für Fragen stehe ich immer gerne zur Verfügung. [Peter Oden]

Heute Abend: viel Sonnen-Action am Refraktorium

Brillianter Sonnenschein heute Abend erlaubte allerlei Sonnenbeobachtungen und -experimente am Refraktorium der VSW Bonn – insbesondere mit dem Coronado des Vereins, …

… der trotz Justierproblemen (nicht die gesamte Sonnenscheibe gleichzeitig kann auf die perfekte H-Alpha-Wellenlänge eingestellt werden) …

… eine dicke Protuberanz am Sonnenrand schön zeigen konnte: hier Versuche, sie durch’s Okular zu fotografieren.

Die große Gruppe 1476 war auch im korrekt gefilterten Feldstecher noch klar zu erkennen, allerdings schon Richtung Sonnenrand gewandert und deutlich kleiner geworden, …

… was auch zu weiteren Fotoexperimenten mit der Panasonic Lumix FZ48 bei maximalem Zoom (24x) und zwei verschiedenen SoFi-Brillen Anlass gab: Hier tritt oben eine Black-Polymer-Brille von Thousand Oaks gegen unten eine AstroMedia-Brille mit dem „guten“ Baader-Filter an. Visuell war das Polymer-Bild deutlich angenehmer, wie auch ein anderer Beobachter bestätigen konnte, als das etwas zu grelle bläuliche Bild der Baader-Folie – die aber fotografisch ein deutlich besseres Ergebnis liefert, auch schon für eine solch „unastronomische“ Optik. (Zum Vergleich eine etwa zeitgleiche Aufnahme mit Russentonne und ebenfalls Baader-Folie.) Ein wichtiges Ergebnis im Vorfeld des Venus-Transits! [Daniel Fischer]

Saturn am Bonner Himmel

Auch wenn dieser Autor, seit er vor sechs Jahren nach Bonn gezogen ist, nicht einmal mehr die Milchstraße unter diesem roten Himmel erkennen konnte, gibt es immer noch genügend Möglichkeiten, sich astronomisch zu betätigen. Neben dem Mond mit seinen wechselnden Phasen und zahlreichen Sternhaufen zählen hierzu besonders die Planeten unseres Sonnensystems.

Auch wenn Saturn sich zur Zeit gerade einmal 30° über den Horizont erhebt, ist er durch ein Teleskop immer noch und immer wieder ein beeindruckender Anblick mit seinem Ringsystem.

Mit einem C9.25-Teleskop und einer 3.5-fach Barlow, also mit 8.200mm Brennweite wurde der Saturn am 13. Mai gegen 23:00 Uhr verewigt. [Peter Oden]

Neue SoFi-Brille, neues (Foto-)Glück. Und ein Mysterium …

Und das (Sonnenflecken-)Blogger-Rennen zwischen Peter und mir hier und Nico beim Zauber der Sterne geht weiter: mit einer Superzoom-Sonne von heute gegen 17:00 MESZ, nunmehr durch eine ganz neue Baader-SoFi-Brille, die ein Freund gerade auf dem ATT gekauft hatte. Und siehe da, trotz exakt identischer Beschriftung – insbesondere bzgl. Normen, Zertifikaten und Dichte („-5,0“) – ist dieser Aluminium-auf-Plastikfolie-Filter erheblich dunkler als ein einige Jahre alter, der keine erkennbaren Schäden aufweist. Was dann doch einige Nachfragen verdient, zumal auch diese Brille noch nicht an das angenehme Sehverhalten von Black-Polymer-Filtern heran reicht. Noch eine britische Detailaufnahme der Fleckengruppe – die allerdings weiter abbaut (auch für’s bloße Auge: Gestern war sie noch auffälliger) und wohl keine ordentlichen Flares mehr zustande bringt. Dafür gab’s/gibt’s heute eine schöne Protuberanz am Sonnenrand, aus dem Weltraum wie im Amateurteleskop nochmal desselben Briten zu sehen. [Daniel Fischer]

Und weiter geht’s mit dem dicken Sonnenfleck

Bei fast bayrischem Himmel wie aus dem Prospekt (strahlend blau mit weißen Wolken) war auch der Sonnenfleck heute von Bonn aus wunderbar zu beobachten.

Mit einer Spiegelreflexkamera und einem kleinen 4″-Mak gelang dem Autor dieses Bild:

Hier als Ausschnitt auch separat noch einmal der Sonnenfleck himself!

Wahrscheinlich wird es diesen Fleck auch während des kommenden Venustransits zu sehen geben! [Peter Oden]

Der dicke Sonnenfleck: mit Simpel-Kamera abgelichtet – und elegant gezeichnet!

Noch ist er dominant auf der Sonnenscheibe zu sehen: der Riesenfleck (1)1476 – oben von Daniel Fischer vor wenigen Minuten (13. Mai gegen 10:15 MESZ) mit einer „Superzoom“-Kamera durch eine uralte SoFi-Brille fotografiert (mit Baader-Folie, angeblich Dichte 5 – aber selbst mit ISO 100 und 1/2000 Sekunde Blende 8 war das Bild noch etwas zu hell, und auch für’s Auge erscheint das Bild durch die Brille zu grell), unten gestern (12. Mai zwischen 15 und 17 Uhr MESZ) von Lambert Spix mit einem SC 9,25″@190x gezeichnet. Vom 12. Mai auch ein Weißlichtfoto aus Großbritannien und ein SDO-Bild mit identifizierten Aktivitätsregionen sowie zahlreiche Detailphotos der Gruppe vom 10. Mai. Ein von ihr gestarteter koronaler Massenauswurf könnte morgen die Erde streifen. [Daniel Fischer. NACHTRAG: noch ein ganz aktuelles Foto von Bernd Gährken]