Archiv für den Tag 23. Mai 2012

Die letzte Bonner Pre-Show für den Transit der Venus – mit öffentlicher Verabschiedung derselben

Genau zwei Wochen vor dem letzten Venus-Durchgang für 105 Jahre hatte die VSW Bonn zu einer ungewöhnlichen Veranstaltung geladen, die leider – lag es am sommerlichen Wetter oder dem ungewohnten Dienstagstermin? – nicht die Zuhörerzahl bekam, die sie verdient hätte: Stefan Krause (oben) und Paul Hombach führten im Wechselspiel fast 1 1/2 Stunden durch die Geschichte der Venustransits, so ähnlich wie letzterer solo vor 2 Wochen im Deutschen Museum aber nun noch mehr ins Detail gehend und natürlich wieder mit allerlei Musikalischem, gipfelnd in einer weiteren Aufführung der Transits in Time. Just als diese verklungen waren, kam die Kunde von aufgerissenen Wolken, und die Venus konnte auch persönlich in Augenschein genommen werden, als nur noch hauchfeine aber helle große Sichel: in einer ausnehmend dicken Tüte von Wilfried Bongartz, einem Kleinrefraktor von Nico Schmidt und problemlos auch in einem Feldstecher von Stefan Krause. Nur noch die Hartgesottenen harrten allerdings aus, bis zu guter Letzt auch noch die Mondsichel weit unterhalb der Venus aufgespürt werden konnte, nur mit Mühe aus der milchigen Dämmerung zu fischen. [Daniel Fischer]

Ein Astronomie-Professor wie ein US-TV-Comedian

Jedes Frühjahr läd das DLR in Porz-Wahn zu einem öffentlichen „Astroseminar“ auf den Campus, das diesmal unter dem Motto „Himmel und Erde“ stand – und den letzten Vortrag 2012 lieferte gestern Artie Hatzes ab, Direktor der Thüringer Landessternwarte Tautenburg und eigentlich ein Grieche aus Texas. Entsprechend originell fiel auch sein Vortrag aus, sprachlich wie von der Gestik her, die zuweilen an amerikanische TV-Comedians erinnerte. Neben einem Abriss über die Exoplaneten-Forschung hatte Hatzes auch manche Kuriosa zu bieten, so ein Exo-Australien, das er auf einer künstlerischen Darstellung des Planeten CoRoT-7b entdeckt hatte – oder die Bewohner von Planeten anderer Galaxien. Denn Hatzes neigt bei aller Entdeckungsflut eher der Sichtweise zu, dass Planetensysteme wie das unsrige ziemliche Raritäten sind, mit vielleicht nur einem einzigen von Intelligenz bewohnten Planeten pro Galaxie. Und auf die Frage, wie er eigentlich zur Astronomie gekommen sei, holte Hatzes richtig weit aus: Das weiß er nämlich noch ganz genau, 1969 war’s. Damals musste er sich schon im Juni etwas zu Weihnachten wünschen, weil die arme Einwandererfamilie ein halbes Jahr drauf sparen musste, und eigentlich wollte der kleine Rocker unbedingt ein Schlagzeug. Aber die (durch das gerade laufende Apollo-Programm motivierte) Alternative Teleskop schien ihm realistischer – und genau so eins fand er dann unter’m Weihnachtsbaum. Noch heute steht es in Tautenburg in seinem Büro … [Daniel Fischer]