Archiv des Autors:

Fahrplan für Komet ISON auf 50° Nord

Die Sichtbedingungen für den sehnlich erwarteten Kometen verändern sich rund um sein Perihel in einem halben Jahr immer wieder auf’s Neue – ein Blick auf die unterschiedlichen “Fenster” für 50° Nord (und ungefähr gültig für den gesamten deutschen Sprachraum Europas), basierend auf dieser Tabelle, die gleich drei aktuelle Helligkeitsmodelle auflistet, von denen hier das “mittlere” zugrunde gelegt wird:

  • Anfang August bis Ende Oktober taucht der Komet nach Konjunktion mit der Sonne – minimale Elongation: 4.6° am 15. Juli – wieder am Morgenhimmel auf und ist ein teleskopisches Objekt, das von 13. auf vielleicht 8. Größe steigt. Eine akzeptable Höhe vor Beginn der Morgendämmerung wird Anfang September erreicht und steigt von 10 auf 30 Grad bis Ende Oktober, wenn die Sonnenelongation bis mit 53° maximal wird.

  • In den ersten zwei November-Wochen gehen die Elongation auf 38° und die Morgenhöhe bei Dämmerungsbeginn auf 12° zurück, während ISON von 7. auf 5. Größe steigt und ein Feldstecher-Objekt geworden sein sollte. Der Mond stört die gesamte Zeit nicht: Dies ist mithin das beste “normale” Sichtfenster vor dem Perihel, mit dem Kometen akzeptabel hoch an dunklem Himmel. (Dass er am 3. November während der totalen Sonnenfinsternis am afrikanischen Totalitätshimmel sichtbar wird, ist reichlich unwahrscheinlich.)

  • Vom 15. bis 25. November stürzt die Elongation auf 14° ab, und der Komet tritt erst während der Morgendämmerung nennenswert über den Horizont – während gleichzeitig die Helligkeit vermutlich noch kaum heller als +2 mag. liegen dürfte: ISON ist damit ein schwieriges bis unmögliches Objekt, dessen erneutes Erscheinen am Himmel ganz von der Zunahme der Helligkeit bei Erreichen des sehr sonnennahen Perihels am 28. November abhängt.

  • Vom 26. bis 28. November sollte ISONs Helligkeit steil ansteigen und negativ werden, was ihn bei Sonnenaufgang auf dem Horizont sitzend erscheinen lassen könnte; ein eventueller flächenheller Staubschweif ginge schon vor der Koma, deren Sonnenenlongation von 11 auf 5° schrumpft, in der stärker werdenden Morgendämmerung auf. (Zugleich erreicht der Phasenwinkel mit 110° ein lokales Maximum, aber ob dies durch Vorwärtsstreung Koma und Schweif nennenswert aufhellen kann, ist unklar.) Je nach Helligkeitsentwicklung und Himmelstransparenz mag ein Nachweis der Koma am Taghimmel mit technischen Tricks nicht ausgeschlossen sein.

  • Am 28. November tagsüber könnte es möglich sein, dass ISON mit der richtigen Technik am Taghimmel zu finden ist, während er auf sein Perihel um 19:35 MEZ zueilt: Dann steht er 1,9 Mio. km vom Sonnenzentrum entfernt und von der Erde aus 1/2° von der Sonnenmitte bzw 1/4° vom Sonnenrand entfernt, ist aber in Deutschland schon vor mehr als 3 Stunden untergegangen. Am deutschen Nachmittag betragen der Sonnenabstand noch 5 Mio.km und der Winkelabstand etwa 2°, am Vormittag sind es 7 Mio. km und 3°: Ob – und mit welchem technischen Aufwand und v.a. Sicherheits-Vorkehrungen – ISON mit vielleicht irgendwo zwischen -5 und -10 mag. dicht neben der Sonne nachgewiesen werden kann, ist völlig unklar. Bei anderen Kometen, zuletzt McNaught 2007, gelang so etwas alle paar Jahrzehnte einmal.

  • Am 29. November geht ISON zusammen mit der Sonne auf und steht am Vormittag erneut 3° und am Nachmittag 4° neben ihr – und am Abend noch 2° hoch, wenn die Sonne untergeht: Ab jetzt gibt es im Prinzip Sichtfenster vor Sonnenauf- und nach Sonnenuntergang, von denen das morgendliche aber noch bis in den Januar hinein das deutlich bessere bleibt. Die Komahelligkeit dürfte an diesem Tag die höchste sein, die in Europa zu erwarten ist, ein sehr spitzes Maximum, so dass der ganze Tag für – vorsichtige! – Sichtungsexperimente geeignet ist, dito die Morgen- und Abenddämmerung für eine Schweifsuche.

  • Am 30. November hat die Elongation 5° wieder überschritten, während die Komahelligkeit schon wieder gegen Null tendieren dürfte: Ab jetzt ist eher interessant, wie es nach dem Perihel um den Schweif ISONs und dessen Flächenhelligkeit und Länge bestellt ist. Bei Sonnenunter- und -aufgang steht der Komet heute jeweils 3° über dem Horizont, d.h. erneut sind beide Dämmerungen von einigem Interesse für mögliche Schweifsichtungen mit der Kometenkoma noch bzw. schon wieder unter dem Horizonz, während mit einer Tagsichtbarkeit jetzt kaum noch zu rechnen ist.

  • Vom 1. bis 5. Dezember steigt die Elongation von 8 auf 18°, wärend ISON durch Skorpion und Ophiuchus zieht – nicht eben adventliche Sternbilder, aber die Sichtbedingen v.a. morgens aber auch abends werden besser, während die Komahelligkeit von nullter auf 1. bis 2. Größe zurückgeht, der Staubschweif aber noch hell sein könnte: Dies könnte das beste Sichtfenster überhaupt werden, mit ISON als einem “zweiten West”. In den 5 Tagen steigt seine Höhe bei bei Beginn der bürgerlichen Dämmerung (Sonnendepression 6°) von 3 auf 11°, und am 5.12. steht ISON auch bei Beginn der nautischen (Depression 12°) schon 5° hoch. Während er an diesem Abend bei einer Sonnendepression von 6° immerhin noch 3° hoch steht. Auch der Phasenwinkel hat wieder zugenommen, auf 128 bis 123°: Vielleicht hilft auch das der Brillianz des Kometen.

  • Vom 6. bis 15. Dezember – die Elongation verbessert sich von 20 auf 43° – sollte ISON einfach zu finden aber nicht mehr spektakulär sein, da die Helligkeit der Koma auf etwa 4. Größe fällt. Dafür steht der Komet jetzt wieder vor Beginn der Morgendämmerung über dem Horizont, anfangs 2 und am Ende des Intervalls 23° hoch, und immer noch stört kein Mond. Die Morgenhöhe bei 12° Depression steigt von 7 auf 30°, und Abends steht ISON bei 6° Depression 3 bis 12° und bei 12° Depression zuletzt 5° hoch. Dunklerer Himmel v.a. vor Dämmerungsbeginn aber auch nach ihrem Ende könnte immer noch einen sehenswerten Schweif hervor bringen.

  • In der zweiten Dezemberhälfte gehen die Sichtbedingungen erheblich zurück, trotz ISONs immer besser Geometrie (Elongation 45 bis 93°, Höhe vor Dämmerungsbeginn 25 bis 56°, Höhe nach Dämmerungsende 1 bis 37°): Erst stört der Mond alle Dunkel-Fenster bis zum 20. Dezember, dann kann ihm zwar wegen der immer längeren nächtlichen Sichtbarkeit – ab etwa dem 23. Dezember wird ISON im Hercules zirkumpolar – immer aus dem Weg gegangen werden – aber die Kometenhelligkeit dürfte von 4. auf 6. Größe fallen: So wie PANSTARRS in den Monaten nach dem Perihel wird er jetzt (wieder) ein Objekt für Kometenspezialisten, die aber sicher noch viel aus ihm heraus holen können.

  • Im Januar 2014 liegt die Elongation über 100° (Maximum: 119° am 18.-21. Januar), ISON ist weiterhin zirkumpolar und – bald Abends besser als Morgens – am Ende bis zu 80° hoch an dunklem Himmel zu sehen. Nur leider mit einer Helligkeit, die den Monat hindurch auf die 8. bis 10. Größe absinken dürfte: Der Komet ist jetzt wieder ein teleskopisches Objekt – und man wird nun sicher wissen, ob 2013 wirklich das beste “Jahr der Kometen” seit vielen Jahrzehnten geworden ist, zu dem es 2012 so mancher ausgerufen hatte, und ob ISON wirklich der “Komet des Jahrhunderts” geworden ist …

Noch bis in diesen Juni hinein kann ISON vor der Sonnenkonjunktion beobachtet werden, und die Lichtkurve seit Jahresbeginn macht zunehmend Kummer: Blind extrapoliert würde aus dem Kometen rein gar nichts mehr werden, aber eigentlich jeder rechnet damit, dass die Lichtkurve bald wieder anzieht. In einem Vierteljahr wird man vielleicht schon klarer sehen, wohin die Entwicklung der Komahelligkeit läuft, aber was der Schweif “vor hat”, wird sich wohl kaum vor November erweisen. PANSTARRS hat die moderaten Erwartungen an seine Helligkeit durchaus erfüllt, der Schweif aber blieb flächenschwach und kurz: Bei ISON werden wir zumindest mehr von der Seite auf ihn schauen, was allein bereits eine größere Show erhoffen lässt. Aber wie groß, das ist die Frage … [Daniel Fischer]

Live-Blog von der Planeten-, Kometen- und Sonnetagung in St. Andreasberg


19. Mai

P1260521

P1260531

Gemeinsames Bestaunen der Venus und des Jupiter vor dem Tor der Mindener Hütte – erstere war jetzt, trotz Wolken anderswo am Himel, schon deutlich leichter als gestern zu finden; als letzten Vortrag des Tages referiert Michael Anton jetzt über … Transite derselben. [22:00 MESZ] Mit eigenen Aufnahmen zu den Klängen des Transit of Venus von Morning Star und dem “Transit of Venus March” zum Abschluss – Blasmusik auf einer Planetentagung muss eben sein! Danach noch erste Diskussionen über deren Zukunft, die Talking Points werden geclustert … [23:10 MESZ -Ende]

merkur

[NACHTRÄGE: die Beschlüsse der Abschluss-Diskussion am 20. Mai, die sich als ausgesprochen produktiv erwies, ein Tagungsbericht, ein ganz aktuelles 123-Seiten-Paper über die "exponentiell" steigende Rolle von Amateuren in der Planetenforschung, oben ein (hier stark prozessiertes) Bild von Bernd Brinkmann, das gestern unterhalb der Venus auch schon den Merkur nachweist - und die SPIEGEL-Titelgeschichte von 1950 über den 2003 verstorbenen deutschen Amateur-Planeten-Pionier Ern(e)st "Ernie" Ludwig Pfannenschmidt]

pano_st_a

Der Saal ist gut gefüllt am Haupt-Vortrags-Tag

Als nächstes Thomas Wolf über den Venustransit in Australien (AutoStitch-Panorama). [15:30 MESZ] Weitere Vorträge zu Sonnenfackeln (M. Delfs) – und wieder dem Venus-Transit (exzellente Bilder von Martin Fiedler) … [17:35 MESZ. NACHTRAG: ein Video vom 2. Kontakt von ihm] … nebst Astrofotografie von einem QLD-B&B mit Sternwarte aus. [17:40 MESZ] Und noch ein Venustransit, von Uwe Schmidtmann – zur Abwechslung mal aus Polen. [17:55 MESZ]

P1260499

Nach dem Abendessen wurde es erstmal historisch: Rudolf Hillebrecht über 40 Jahre Jupiter und Michael Delfs über die (Frühstgeschichte der) FG Sonne. [19:45 MESZ] Jetzt Bernd Gärken mit 2012 DA14 in Italien. [19:55 MESZ] Und wieder zum Venustransit, jetzt am Nordkap. [20:10 MESZ]

P1260513

Silvia Kowollik erklärt die Konstruktion einer richtig kleinen Reisemontierung … [21:15 MESZ] … und führt vor, wie man mit Fantamorph ruckelfreie Rotationen von Planeten aus wenigen Bildern erzeugen kann. [21:20 MESZ]

P1260477

P1260487

Strahlender Sonnenschein in der “Pfingstsonntagsruhe” verleitet natürlich zu allerlei Experimenten – wobei das Sonnenbild genau wie der Mond unten (zzgl. einer alten SoFi-Brille als Filter) entstand: Dominant sind die Gruppen 1748 (o.l.), 1745 (o.r.) und 1746 (u.r.); mittagshalber ist Norden ziemlich genau oben. [13:40 MESZ] Die heutigen Flecken im Detail; derweil haben die Vorträge wieder begonnen, zuerst Martin Hörenz über die H-Alpha-Relativzahl. [14:35 MESZ] Und die Sonnenscheibe heute mit Hausnummern aus SDO-Sicht. [14:55 MESZ]

P1260463

P1260468

P1260470

2:20 – 3:05 MESZ: der Himmel über St. Andreasberg

Ein Dreiviertelstündchen zwischen Monduntergang und zu heranwaberndem Nebel sowie schon deutlich beginnender astronomischer Morgendämmerung nutzten drei Unentwegte für ein bisschen Astropraxis: Der Himmel hier ist deutlich dunkler als in Violau. Aufnahmen mit jeweils 60 Sekunden Belichtung bei ISO 1600 zeigen einen ungeplanten Iridium-Flare und das Sommerdreieck sowie den 6″-Refraktor von Michael Anton im Einsatz: Der zeigte den Kometen PANSTARRS jetzt wesentlich detailreicher und größer, mit seinem extremen Schweiffächer weit in beide Richtungen aufgespannt. [3:20 MESZ. NACHTRAG: eigenlich genau so wie auf dieser Aufnahme ein paar Stunden früher]


18. Mai

P1260430

P1260434

P1260440

P1260447

P1260452

Abendstimmung mit vier Himmelskörpern: In einem kurzen Zeitfenster gegen 21:45 zeigten sich Jupiter und Venus (im 2. Bild stark heran gezoomt) über dem Horizont des Tagungsortes, während im Süden noch Nebel wallten, mit dem Mond im ersten Viertel hoch darüber. [22:00 MESZ] Das erste Bild größer. Alle Bilder – natürlich – freihändig mit Superzoom-Kamera mit 29-fachem optischem Zoom an beiden Anschlägen … [22:10 MESZ. NACHTRAG: derselbe Mond mit mehr Aufwand] Als Bonus gab’s noch einen PANSTARRS in einem 13-cm-Maksutov: eindeutig unrund, aber wegen eines nahen Sterns nicht so recht zu erkennen, in welcher Weise. [23:40 MESZ]

P1260420

Bildaufnahme und Bildverarbeitung live auf der Bühne

Die CCD-Aufnahme von Planetenbildern und ihre Verarbeitung werden in der Szene zwar schon seit einem Vierteljahrhundert betrieben, und oft werden heutzutage nur noch die fertigen Ergebnisse präsentiert. Aber hin und wieder tut es auch gut, mal wieder alle Schritte zu sehen: heute Abend live vorgeführt von Silvia Kowollik, wobei der zu verarbeitende Jupiter natürlich aus der Konserve kam. [19:40 MESZ]

Saturn_mal_vier

Als “Privatservice” für dieses Blog hat Silvia hier mal die vier ‘besten’ Teleskop-losen Trash-Saturne vom April gestackt – erstaunlich … Inzwischen gibt Bernd Gährken als Quasi-Fach-Referent eine Abendshow über Polarlicht-Beobachtungen 2012. In HD und als Extended Version. [20:35 MESZ]

P1260340

P1260329

P1260324

P1260302

P1260372

P1260392

P1260376

Impressionen vom Sonnenturm und der Sternwarte Hainberg – siehe hier und hier – im Besitz der Amateurastronomischen Vereinigung Göttingen: Die Tagungsteilnehmer konnten es kaum fassen, was hier einer Volkssternwarte “zugefallen” ist, die die gewaltigen historischen Teleskope nun wieder in Betrieb nimmt. Ihrer “ursprünglichen Bestimmung wieder zuführen”, kann man bei dem Sonnenturm natürlich nicht sagen, da es sich um eine Investition des III. Reichs zur Förderung des II. Weltkriegs handelte. Sein Sonnenteleskop in einem Stück zu fotografieren, geht prinzipiell nicht: stattdessen Bilder aus mehreren “Etagen”. [17:55 MESZ]

P1260280

P1260276

Das Staub- und Gas-Verhältnis von Komet PANSTARRS

allein aus Amateurbeobachtungen bestimmt von Uwe Pilz (auch wenn die Auswertung nir ‘cum grano salis’ zu betrachten sei): Bei diesem Kometen war die Staubproduktion von Anfang an enorm – während sie beim periodischen Kometen Hergenrother erst nach dem Perihel anstieg. [11:10 MESZ] Jetzt einführender Vortrag von Kai Bröking zum Hainberg-Observatorium bei Göttingen, das heute Nachmittag besucht wird. [11:25 MESZ] Spektroheliografie mit extremer spektraler Enge – mal ein ganz anderer Blick auf die Sonne. [11:50 MESZ]

P1260263

Chelyabinsker Meteoriten auf der Tagung gelandet! Und das gleich zusammen einem Splitter einer Glasscheibe, die der Airburst am 15. Februar demoliert hatte: eins von zahlreichen Mitbringseln von Marc Wiekhorst bei seinem Meteoriten-Vortrag jetzt. [10:10 MESZ] Weil’s so schön war: nochmal in größer! [10:20 MESZ]

P1260257

Tagung läuft: Anspruchsvolles schon vor 9 Uhr Morgens

Erste physikalische Diskussionen kurz nach 8:30 MESZ löste ein Vortrag von Andreas Eberle über Filtertechniken in der Sonnenbeobachtung aus. Interessante Entdeckung u.a.: Ein “normaler” UV-Filter, wie er z.B. in der Venus-Beobachtung verwendet wird, liefert zusammen mit einem Neutralfilter Bilder, die ähnlich wie durch einen Ca-Interferenzfilter aussehen. [9:15 MESZ] Im zweiten Vortrag zeigte Silva Kowollik ein bemerkenswert seeingarmes H-Alpha-Video der letztjährigen Ring-SoFi bis zum Untergang. [10:05 MESZ]


17. Mai

P1260234

Es hat begonnen! Die erste Planetentagung nicht in Violau – und ebenso erste zusammen mit der Sonnetagung – seit 1984 hat tief im Harz begonnen: Den “bunten Abend” zur Eröffnung bestritten 2 1/2 Stunden lang dieser Blogger mit dem Venustransit auf Rhodos und in der Geschichte, Polarlichtern mit der Hurtigruten und dem Australien-SoFi-Trip, Thomas Wolf mit einem La-Palma-Video, Bernd Gährken mit der Jupiter-Bedeckung durch den Mond, und als Bonus gab’s noch, live von Vimeo gestreamt, die aktuelle Aussie-Ring-SoFi und die Polar Spirits. [22:55 MESZ von Daniel Fischer]

Wird dies ein Zentrum der Rhein-Sieg-Astronomie?

haus

wiese

gruppe

Ausnehmend grottiges Wetter verhinderte zwar jedwede “Testbeobachtung”, aber ein Dutzend Mitglieder der Sternfreunde Siebengebirge konnte heute Abend zumindest die Jugendherberge in Selhof am Rande von Bad Honnef nebst angrenzender Wiesen inspizieren, welche sich zumindest im Prinzip für kleinere oder größere Starparties eignen könnten. Während die – leider ÖPNV-technisch eher entlegene – JH selbst für preiswertes Catering, ggf. Übernachtung und auch Seminarräume sorgt: In einen der letzteren mussten die Sternfreunde denn auch prompt fliehen, als die Jugend im Speisesaal die “GUT DRAUF”-Zertifizierung ihrer Herberge all zu wörtlich nahm … [Daniel Fischer]

Eine explosionsfreude Sonnenfleckengruppe …

flare4

… ist gestern am Rand erschienen und wird sich in dieser Woche dank der Sonnenrotation immer mehr in die Mitte der Scheibe begeben – und bisher hat sie es mächtig krachen lassen: Wie z.B. hier ausgiebig dokumentiert, hat diese Aktivitätsregion Nr. 11748 (oder einfach AR 1748) innerhalb von rund 48 Stunden bereits vier Flares der höchsten Kategorie X abgesondert. Das Bild oben von 3:47 MESZ heute zeigt den jüngsten bei 13 nm Wellenlänge, die Vorgänger hatten z.T. noch knapp hinter dem Sonnenrand stattgefunden. Mit den Flares gingen auch meist koronale Massenauswürfe (CMEs) einher, natürlich nicht in Erdrichtung – aber das wäre ganz anders, wenn sich die AR 1748 in der Scheibenmitte immer noch so benehmen sollte. Ihr Betragen wird intensiv auf dieser Webseite analysiert (der neueste Stand immer ganz unten), Details über aktuelle Sonnenflares und CMEs gibt es z.B. sehr zeitnah hier, hier oder hier auf Facebook, und wenn sich was Verdächtiges auf der Sonne tut und v.a. wenn etwas Richtung Erde unterwegs ist, ist dieses Forum mit die beste Quelle. [Daniel Fischer. NACHTRAG: unten eine Mini-Doku über die Fleckengruppe und ihre vier X-Flares]

Planeten-Trio – es wird nicht leicht …

Das Dreieck aus Venus, Jupiter und Merkur Ende des Monats wirft schon seinen Schatten voraus, sind doch solcherlei Trios eine Rarität, vor allem wenn die drei aktuell hellsten Planeten des Himmels mitspielen. Doch leicht zu sehen sein wird es leider nicht: Zwar haben die Planeten alle negative Helligkeiten (Venus -3.9 mag., Jupiter -1.9 mag., Merkur -1.0 bis -0.5 mag.), aber dafür stehen sie mit Elongationen von nur ~15° selbst am Ende der bürgerlichen Dämmerung (Sonne 6° unter dem Horizont) wegen der Neigung der Ekliptik zum Horizont nur etwa 5° hoch und sind damit auch bei klarstem Himmel schon einiger Extinktion ausgesetzt. Hier ist der Fahrplan für die interessanteste Woche, in der die drei vom 25. bis 27. Mai ein kompaktes Dreieck bilden und am 30. eine schräge Linie, bei der die Venus von Merkur und Jupiter flankiert wird – für 50° nördliche Breite jeweils mit Datum und Venus-, Jupiter- und Mars-Helligkeiten und -höhen bei 6° Sonnentiefe:

24. Mai: Venus -3.9 mag. und 4° / Jupiter -1.9 mag. und 6° / Merkur -1.0 mag. und 5°
25. Mai: Venus -3.9 mag. und 4° / Jupiter -1.9 mag. und 6° / Merkur -0.9 mag. und 6°
26. Mai: Venus -3.9 mag. und 4° / Jupiter -1.9 mag. und 5° / Merkur -0.8 mag. und 6°
27. Mai: Venus -3.9 mag. und 5° / Jupiter -1.9 mag. und 5° / Merkur -0.7 mag. und 7°
28. Mai: Venus -3.9 mag. und 5° / Jupiter -1.9 mag. und 4° / Merkur -0.6 mag. und 8°
29. Mai: Venus -3.9 mag. und 5° / Jupiter -1.9 mag. und 4° / Merkur -0.6 mag. und 8°
30. Mai: Venus -3.9 mag. und 5° / Jupiter -1.9 mag. und 3° / Merkur -0.5 mag. und 8°

Die Erfahrung mit Komet PANSTARRS in der Abenddämmerung im März hat gezeigt, dass es jeweils einen – nur wenige Minuten währenden – Zeitraum gab, in dem das Verblassen der Dämmerung und die Zunahme der Exinktion zur besten Sichtbarkeit führten, während die Bedingungen vor- und nachher für visuelle Beobachtungen wie auch Fotografie signifikant schlechter waren. Diesmal haben wir es mit Punktquellen zu tun, die auch allesamt deutlich heller sind als es PANSTARRS’ Koma je wurde, dafür spielt sich aber alles in noch deutlich geringerer Höhe über dem Horizont und damit durch noch viel mehr Luft hindurch ab. Erste Sichtungen der Venus zu Beginn ihrer Abendsichtbarkeit hat es aber schon jetzt gegeben, die derzeit bei 6° Sonnentiefe nur 2° hoch steht. Das regt zu Beobachtungen schon jetzt an: Heute Abend z.B.steht der junge Mond zwischen Venus und Jupiter, der bereits gestern (in Kalifornien) neben der Venus gesichtet wurde – kurioserweise am lokal selben Kalendertag wie die australische SoFi, wenn auch real fast 30 Stunden nach dieser. [Daniel Fischer. NACHTRAG: In Spanien hat einer das Jupiter/Mond/Venus-Foto geschafft]

Wie Coca Cola die Sonnenfinsternis rettete …

sofi05

Wie schon vor einem Jahr verfolgte der Blogger auch die ringförmige SoFi 2013 “remotely”, mit Hilfe dreier Webcasts aus Australien – aber nur einem davon, den ein “Coca Cola Space Science Center” organisiert hatte, gelang die Live-Übertragung der Ringphase, während ausgerechnet der Astro-Webcast-Star Slooh nur von einer Kamera weit außerhalb der Annularitätszone ein Bild bekam und alle anderen Uplinks aus Wetter- oder technischen Gründen ausfielen. Zwar hatten auch die Cola-Astronomen häufige Wolkenprobleme, konnten aber den Ring durch dünne Wolken zeigen: ein zweiter Screenshot kurz nach dem obigen und im Live-Blog von der SoFi ein dritter, wiederum etwas später. Das dramatischste Bild, das in den ersten Minuten im Web erschien, entstand allerdings ganz woanders: nahe dem Beginn des Annularitätsstreifens in West-Australien bei Sonnenaufgang – mit geschlossenem Ring! [Daniel Fischer. NACHTRAG: Das Cola-Video kam übrigens aus Coen auf der York-Halbinsel Queenslands - unten noch drei besonders gute aus West-Australien, dem Northern Territory und ... aus dem Weltraum]

 
 

Der Schwan hat so’n Hals: Chi Cygni im Maximum

cyg

Das aktuelle nahe Maximum des Mira-Sterns χ Cygni hat das Aussehen des Sternbilds Schwan deutlich verändert, wie diese Aufnahme von heute morgen gegen 3:00 MESZ zeigt: Der auf ca. 4 mag. gestiegene und rötliche Stern ziert jetzt den langen Hals des Vogels etwas rechts von der Mitte – während er im Minimum bis unter 13 mag. fallen kann. [Daniel Fischer]

Wettersatellit ließ es gerade über Deutschland blitzen

metopEUMETSAT

So sieht er im Orbit aus, der polar umlaufende europäische Wettersatellit MetOp-B – und seine große Sonnenzellen-Fläche hat es heute um 22:02 MESZ über weiten Teilen Deutschlands kurz am Himmel blitzen lassen, auch deutlich außerhalb des Streifen in der Karte in dieser Alarm-Mail eine Viertelstunde vorher, die dieser Blogger gerade noch rechtzeig sah. Mit Mühe war die Deichsel des Großen Wagens in Zenitnähe am noch dämmrigen Himmel zu finden, und wenige Sekunden später kam tatsächlich ein etwa eine Sekunde langer Flare, etwas heller als die hellsten Deichselsterne. Farbeffekte - wie sie durch optische Effekte bei der Reflexion des Sonnenlichts an den Solarzellen möglich gewesen wären - waren zumindest mit dem bloßen Auge keine wahrnehmbar. Weitere Beobachter sahen Ähnliches, wie mehr oder weniger dramatischen Berichten zu entnehmen ist – und dem Alarmrufer gelang sogar ein Foto: Im Darmstadt erreichte der Flare -6 mag. Von einem – spektakuläreren – Satelliten-Flare war hier bereits anlässlich der letzten Perseiden zu lesen gewesen. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: noch ein Foto des Flares und eine negative Meldung - und es war auch nicht das Solarpanel, sondern eine Antenne, die für den Flare sorgte, wie der Alarmist später korrigiert hat: Danach "kam der Flare [...] durch eine Reflexion an einer der ASCAT-Antennen zustande (also nicht vom Solar Panel). Die mit dem Beobachtungsort variierende Färbung des Aufleuchtens hängt wohl (so ganz klar ist das noch nicht) mit der Folienbeschichtung der betreffenden Antenne zusammen.”]

Rhein in Flammen + Riesenrad = Sonnenuntergang + Sonnenfleck + Lichtsäule

rif1

rif2

rif3

rif4

rif5

rif6

rif7

Manchmal muss man seltsame Vehikel besteigen, um astronomischer Ereignisse ansichtig zu werden, sei es ein Schiff für eine SoFi oder ein Flugzeug für einen Kometen – aber gestern war es das Riesenrad der Marke “Jupiter” in der Bonner Rheinaue während der Rhein in Flammen-Festivitäten, das (als einziger “Stand”-Ort und unerwartet) den Blick auf die untergehende Sonne samt dem dicken Fleck Nr. (1)1734 auf der Sonnenscheibe frei machte – nebst einer kurzen aber intensiven Lichtsäule. Später war durch den “Jupiter” auch der echte Jupiter zu sehen, zwar leicht aber doch schon arg tief gesunken: Die Beobachtung des Planeten-Dreiecks zum Monatsende wird nicht leicht. Viele weitere Fotos des Abends – auch von Konzerten und natürlich dem Feuerwerk aus der Nähe – sind in diesem Album zu finden! [Daniel Fischer]

rif8

rif9

Die Bonner Sterne sind ein Jahr alt, und 45’000 kamen …

karte

… aus 97 Ländern, die meisten Seitenbesuche – 37’300 – natürlich aus Deutschland, aber die USA liegen mit 1300 auf dem 3. Platz nur knapp hinter Österreich (1500) und deutlich vor der Schweiz (900) und dem Vereinigten Königreich (600). Alle anderen Länder sind weniger als 400-mal vertreten (und zu denen, aus denen sich im ersten Jahr genau ein Besucher einmal zu den Bonner Sternen verirrte, gehört der Vatikan, was immer das bedeutet). Die meisten Besucher an einem Tag gab es mit 1600 am 6. Juni 2012 zum Venus-Transit, aber der beste Monat war der März 2013 mit 12’000 (mit 5400 in einer einzigen Woche davon): Zumindest Besucher auf diese Seiten lotsen konnte Komet PANSTARRS.

Die Astro-Blog-Szene der Region (die hier mal als den Rhein entlang von Bad Honnef bis Köln definiert sei) ist in dem einen Jahr von im Wesentlichen zwei Privatblogs (Skyweek 2.0 und Zauber der Sterne) und dem vergleichbaren Forum der VSW Köln auf nunmehr fünf gestiegen: Neben den Bonner Sternen sind im Oktober 2012 die Sternfreunde Siebengebirge mit einem lebhaften Blog und zu guter Letzt im April 2013 die VSW Bonn mit einem eigenen Blog dazu gestoßen. (Außerdem bloggt ein rumänischer Profiastronom in Bonn auf Englisch über seine zusätzliche Amateur-Tätigkeit.)

Das wird langsam unübersichtlich, und deshalb gibt es nun erstmals zum Geburtstag – und wohl auch regelmäßig weiter alle paar Wochen – eine Art Index der für die Amateurastronomie relevanten Postings all dieser Blogs: Der kann gerne auch von den anderen kopiert werden! Besagte 5 Blogs und 1 Forum sind nun auch in der “Blogroll” in der rechten Spalte direkt verlinkt – und wer noch weitere Blogs mit amateurastronomischem Inhalt und häufigen Postings aus der Umgebung findet, möge sich melden. In der vermutlich vollständigsten Tabelle sind mir keine weiteren aufgefallen. [Daniel Fischer]

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.