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“Vom Urknall zum Weltall”: Wissenschaftsfestival gastiert in Wuppertal

Bereits seit 2001 tourt das erfolgreiche Wissenschaftsfestival “Highlights der Physik” durch die Bundesrepublik und nun kommt es nach einem Stopp 2009 in Köln wieder ganz in unsere Nähe: Als 13. Station kommt jetzt im September die Schwebebahn-Stadt Wuppertal hinzu. Das diesjährige Motto lautet “Vom Urknall zum Weltall”, wobei sich dann fünf Tage lang Jung und Alt zur Teilchenphysik und Astroteilchenphysik informieren kann. Neben dem Hauptstandort direkt vor dem Wuppertaler Rathaus (Johannes-Rau-Platz) finden weitere Veranstaltungen auf dem 200 Meter entfernten Geschwister-Scholl-Platz (inkl. im dortigen Haus der Jugend) sowie 2 Kilometer entfernt in der Immanuelskirche statt.
Und das Festivalprogramm kann sich mehr als sehen lassen: Es gibt ein Juniorlabor, ein Physik-Kindertheater und Wissenschaftsshows für die Kleinen, viele Angebote mit Live-Experimenten für Schüler (Schülerwettbewerb, Physik-Arena) und “Physik für Fußgänger”. Außerdem stehen Teilchenphysiker Rede und Antwort und am 19. September gibt es einen unterhaltsamen EinsteinSlam im Haus der Jugend. Hauptanziehungspunkt wird aber sicher das Wissenschaftszelt auf dem Rathausplatz mit über 30 Ausstellungsständen (u.a. auch mit Sonnenbeobachtung) sein. Hier kann man wunderbar in die fantastische Welt der Teilchenphysik eintauchen. Als Redner für die Abendvorträge in der Kirche wurden u.a. der bekannte TV-Astrophysiker Harald Lesch und der “Star-Trek-Wissenschaftler” Metin Tolan eingeladen; durch eine dreistündige Bühnenshow am Eröffnungstag wird der Wissenschaftsjournalist und TV-Moderator Ranga Yogeshwar führen. [Nico Schmidt]
Eine Astronomiestunde für Bonner Viertklässler



Die gab es heute Vormittag in der Aula der Till-Eulenspiegel-Schule in der Bonner Südstadt, denn neben den Profiastronomen des Argelander-Instituts (AIfA) werden auch die Hobbyastronomen der Volkssternwarte Bonn (VSB) gerne gefragt. So brachte Peter Oden die Astronomie schon in mehrere Schulen, wenn auch – so wie heute – nur für eine knappe Unterrichtsstunde.Heute stellte er das Sonnensystem mit all seinen Planeten und anderen Objekten vor, wobei die mehr als 20 Kinder vor allem über die Größenverhältnisse hörbar staunten.
Wunderbar war auch die Einbindung der kleinen Schüler, die sich schon zur ersten Powerpoint-Folie (Bild 1) bei Fragen und auch sonst (wie der Junge ganz links) eifrig meldeten, wobei ich wieder über das Wissen von Kindern staunte. Sie kannten schon Jupiters Großen Roten Fleck, konnten fehlerfrei Planetenmerksätze, wussten woraus die Saturnringe bestehen und das die Sonne ein Gasball ist. Zum Abschluss wurde noch etwas zu Merkur- und Venustransits und zu Finsternissen erzählt. Natürlich wurde hier auch ein erst 13 Stunden altes Foto der Mini-Mondfinsternis von gestern Abend eingebaut (Bild 2). Die war nicht nur Ziel von Hobbyastronomen wie Peter Oden (Bilder hier und hier), sondern wurde selbst von einigen Schülern gesehen. [Nico Schmidt]
Bonner Radioastronomen berichten im Effelsberg-Newsletter
Wer mehr über die Arbeit der Bonner Radioastronomen am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) erfahren will und sich nicht nur über die üblichen Pressemitteilungen informieren möchte, der sollte unbedingt einen Blick in den sog. Effelsberg-Newsletter werfen. Aus erster Hand erhält man hier einen direkten Einblick in aktuelle Beobachtungsprojekte und zudem erfährt man etwas über die Personen, die am riesigen Stahlkoloss des 100m-Radioteleskops nahe des Eifeldorfes Effelsberg arbeiten. Seit Januar 2010 erscheint – passend auch zur Errichtung des Riesenradioempfängers vor 40 Jahren – der Effelsberg-Newsletter drei Mal pro Jahr im Januar, Mai und September. Alle bisherigen 10 Ausgaben sind frei zugänglich und können hier online eingesehen werden. [Nico Schmidt]
Dreiviertelmond über der Volkssternwarte Bonn


Überraschend klarte es gestern Abend doch noch etwas auf, so dass ich einem Besucher zumindest Mond und Jupiter mit seinen Monden in meinem 80mm-Richfielder zeigen konnte. Während er durch’s Okular schaute und wir uns unterhielten, machte ich freihändig einige Aufnahmen des Dreiviertelmondes über dem Schriftzug auf der Kuppel des Refraktoriums, seit 1976 das Zuhause der Volkssternwarte Bonn (VSB) direkt hinter der alten Argelander-Sternwarte an der Poppelsdorfer Allee. Ein weiterer Interessierter, der aus der Nähe von Rathenow im Westen Brandenburgs kam und gerade in der Gegend war, erzählte mir wie er damals aus seinem Zimmer das Rathenower Riesenteleskop in der Röntgenstraße sehen konnte, als 16-Jähriger den Erbauer Edwin Rolf (1899 bis 1991) kennenlernte und mit ihm dann durch das 10 Meter lange Fernrohr (70cm Öffnung, 20m Brennweite) den Mond beobachtete. Heute steht das Anfang der 50er Jahre erbaute sog. Brachymedialfernrohr im Optikpark Rathenow, beobachtet wird damit aber nicht mehr visuell, sondern nur noch über Projektion. [Nico Schmidt]
Komet PANSTARRS heute im Rheinland gesichtet!
Lambert Spix
Nach weiterem Schneetreiben heute Nachmittag lockerte es zum Abend ein wenig auf, so dass gleich drei Sternfreunde des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) den lang erwarteten Schweifstern PANSTARRS erfolgreich sichten konnten. KBA-Gründer Andreas Dumm beobachtete in Köln mit einem 10×42-Fernglas, Christian Kiefer gelang zwischen Köln und Gummersbach mit einem 10×50 die Sichtung und in Bornheim hielt zur selben Zeit Lambert Spix den Anblick des Kometen durch ein kleines 8×33-Fernglas mit Stift und Papier fest. Seine um 19:30 MEZ gemachte Beobachtung beschreibt der “Bleistiftastronom” und Autor so: “Im 8×33-Fernglas war der Komet leicht zu finden mit einer sehr hellen Koma und einem deutlichen Schweif mit leichten Helligkeitsunterschieden.” Hell ist hier relativ zu sehen, denn nach aktuellen Helligkeitsschätzungen erreicht die sternähnliche Koma höchstens nur noch 2,0mag.
Südlich des Bonner Raums hatte ich dagegen kein Glück mit einer Wolkenlücke zum richtigen Zeitpunkt; zwar war die Mondsichel noch zu sehen, ansonsten gab es aber nur dichte Wolken. [Nico Schmidt]
NACHTRAG: Soeben erreichten mich die Aufnahmen von Patrick Müller, der Mitglied der Volkssternwarte Bonn ist und der den Kometen heute Abend von seinem Balkon (!) in Bonn-Endenich aus sichten und fotografieren konnte.
Aufnahmen mit 185mm, ISO 400 und 4sec bei f2.8. [Peter Oden]
NACHTRAG 2: Ein Video von PANSTARRS über Bonn gibt es auch – von Alex Tudorică, der hier beschreibt, wie es beim neunten(!) Versuch, inklusive welcher am Tage, doch noch geklappt hat. [Daniel Fischer] NACHTRAG 3: Wie hier zu erfahren, stand dieser Beobachter auf dem Dach des Argelander-Instituts in Endenich. [Daniel Fischer]
Bonner Astronomen informierten über ihren Beruf



Dieser Astrotermin war keine übliche Vortragsveranstaltung, denn hier plauderten Bonner Astronomen mal über ihren Beruf und interessierte Schüler hörten zu. Im Rahmen der Hochschultage der Uni Bonn, eine Art “Schnupperwoche” für Oberstufenschüler, wurden gestern zwischen 15 und 19 Uhr im kleinen Hörsaal des Argelander-Instituts für Astronomie (AIfA) spannende Forschungsgebiete der Astronomie vorgestellt und in gleich zwei Beiträgen erhielt man einen Überblick über das Studium und den Berufsalltag eines Astronomen. Professor Uli Klein, Postdoc Nadya Ben Bekhti, Doktorand Lars Flöer und Student im letzten Master-Semester, Dominik Klaes, der zurzeit Daten mit dem VLT-Survey-Teleskop sammelt, informierten in lockerer Atmosphäre über ihren Beruf – und so war wunderbar vom alten Hasen, der schon in vier Jahren in Ruhestand geht, bis zum Studenten der gesamte Werdegang eines Astronomen vertreten. Zwischendurch stellte sich auch der Astroclub, dem das 50cm-Teleskop auf dem Institutsdach zur Verfügung steht, mit einigen Worten vor.
Die mehr als 25 Schüler aus den Klassen 11 bis 13 hatten zum Teil eine Anfahrt von über zwei Stunden und kamen sogar noch aus Koblenz angereist. Aus erster Hand und sehr informativ konnte Dominik Klaes über das heutige Studium berichten; der Student hatte sich als Versuchskaninchen vorgestellt, da er als erster den neuen Bachelor- und Master-Studiengang mitmachte. Physiker werden immer gesucht – “Biologen sind alle arbeitslos” -, das erklärte auch Radioastronomin Nadya Ben Bekhti, die zwar damals in der 11. Klasse Physik abwählte, aber dann doch in der Astronomie gelandet ist und heute ist es ihr absoluter Traumberuf, erzählte sie ganz begeisternd. Und so fasste die 34-Jährige den Beruf des Astronomen ganz typisch mit einer Abkürzung zusammen: Abenteuer-Staunen-Teleskop-Reisen-Ohnegleichen-Naturwissenschaft-Organisation-Mathe-International-Exotisch
Sie erzählte sehr lebendig über den ersten Besuch des Gornergrat-Observatoriums und von ihrer Arbeit am australischen Parkes-Radioteleskop, wo sie zum Nachfüllen des Kühlmittels zusätzlich zum flüssigen Stickstoff eine Machete in die Hand bekam, und noch mehr Abenteuer gab’s in den Niederlanden. Hier war in einem Winter “Schlammarbeit” angesagt, als sie mithalf drei Dipolantennen-Stationen des LOFAR-Radioteleskops, dessen Kernstück (Superterp) bei Exloo ausgerechnet auf sumpfigem Boden errichtet wird, aufzubauen. Anschließend folgte in 16 Schritten noch ein Einblick in den Berufsalltag, der u.a. aus Anträge für Beobachtungen und Gelder schreiben, Datenreduktion und Öffentlichkeitsarbeit besteht und offenbar mit viel Kaffee verbunden ist. Als Astronom muss man ganz einfach Teamworker und Organisationstalent sein und alles Durchbeißen durch’s Studium hatte sich gelohnt, wie die Astronomin weiter erklärt, als sie die erste Wolke im Halo der Milchstraße entdeckte, was sie heute als “schönstes Geschenk” bezeichnet. [Nico Schmidt]
In Gedenken an Hilmar Duerbeck und Waltraut Seitter
“Zu den bedeutenden, aber eher dezent im Hintergrund wirkenden Astronomen in Deutschland gehörte Hilmar Duerbeck.” So erinnerte letzte Woche noch der Deutschlandfunk an den außergewöhnlichen Astronomiehistoriker Hilmar W. Duerbeck (1948 – 2012), der plötzlich und unerwartet am 05. Januar 2012 in seinem Haus in der Eifel verstarb. Er wurde nur 63 Jahre alt. Etwas über ein Jahr nach seinem frühen Tod fand gestern in Bonn ein Gedenkkolloquium statt, das federführend Wolfgang Dick vom Arbeitskreis Astronomiegeschichte der Astronomischen Gesellschaft (AG) zusammen mit Christiaan Sterken und mit Michael Geffert als Gastgeber veranstaltete.

Dick, der viele Jahre mit ihm im AG-Arbeitskreis als Herausgeber zusammenarbeitete und nun die Geschichte des Astronomiegeschichtlers Duerbeck für einen Gedenkband aufarbeitet, gab einen Überblick über sein Leben und Wirken, es ging um die “großen Linien in Hilmar Duerbecks Leben”. Dabei staunt er selbst sogar über vorher unbekannte Dinge, über die Fülle seines geistigen Schaffens, und findet u.a. heraus, dass sein Kollege ursprünglich Dürbeck hieß und dann ab 1973 die internationale Schreibweise Duerbeck verwendete.


Die veränderlichen Sterne, besonders die Novae, waren die Lieblingsobjekte des Bonner Astronomen Duerbeck, doch schon kurz nach seiner Doktorarbeit über VV Ori, eingereicht im Jahr 1974, erstellte er eine Bibliografie der astronomischen Literatur der Uni Bonn. Im Laufe der Zeit wurde die Beschäftigung mit astronomiegeschichtlichen Themen immer intensiver, vor allem in seinen letzten 10, 20 Jahren. Über eine Arbeit zu Carl Wirtz, für die er sogar mit seiner Enkeltochter sprach, kam der Historiker schließlich mit der Geschichte der Kosmologie in Berührung. Durch eine viel beachtete Arbeit, “surely was a ground-breaking piece of historical research”, trat sogar der Kosmologe Georges Lemaître endlich aus Hubbles Schatten heraus.
Hilmar Duerbeck, war nicht nur national sondern auch international angesehen, was sich auch an zwei englischsprachigen Kolloquiumsbeiträgen zeigte. Zahlreiche Lehrtätigkeiten führten ihn ins Ausland, er betreute u.a. Disserationen an der James Cook University in Australien und wurde Mitglied in verschiedenen IAU-Komissionen, zuletzt seit ca. 2003 in der IAU Commission 41 für Astronomiegeschichte. Als Mitglied einer Venustransit-Arbeitsgruppe beschäftigte er sich hier intensiv mit der Historie von Venusdurchgängen.

Das Gedenken an den Menschen Hilmar W. Duerbeck wäre aber nicht vollständig, ohne gleichzeitig an seine Frau Waltraut C. Seitter (1930 – 2007) zu erinnern, mit der er seit 1975 verheiratet war und die nach langer Krankheit etwa vier Jahre vor ihm am 15. November 2007 verstarb, heute aber nicht einmal ein Grab besitzt. So ging es in dem Gedenkkolloquium nicht nur um die Blütezeit der Bonner Eifel-Sternwarte Observatorium Hoher List (OHL), sondern auch um die bewegte Geschichte der Astronomie in Münster, wohin sie 1975, im Jahr ihrer Hochzeit, als erste Astronomie-Professorin berufen wurde.
In Bonn hatte sie sich 1965 habilitiert und bereits mit dem zweibändigen “Bonner Spektralatlas” – die zwischen 1963 und 1968 am Schmidt-Teleskop in der Eifel aufgenommenen Daten wurden um 1970 veröffentlicht – ein ehrgeiziges Projekt abgeschlossen. Und unter ihrer Leitung erlebte schließlich die Münsteraner Astronomie eine Blütezeit. Michael Nolte, dessen umfangreicher Vortrag zweigeteilt werden musste, konnte ausführlich aus erster Hand über diese Zeit berichten, wie in den 80er und 90er Jahren unter Waltraut Seitter erste Computer und zwei große sog. Mikrodensitometer in den siebten Stock zur Analyse von Fotoplatten angeschafft wurden und wie um 1990 in HTML die erste Instituts-Homepage auftauchte. Mit diesen PDS-Geräten gingen die Astronomen in Münster ein gewaltiges Kosmologie-Projekt – das Münster Redshift Project (MRSP) – an, bei dem 7 Millionen Galaxien vermessen wurden, um vor der Ära der Weltraumteleskope und Großteleskope etwas über die Verteilung von Galaxienhaufen zu erfahren.


Aber bei allen Zahlen und Fakten aus dem außergewöhnlichen Leben von Hilmar Duerbeck und seiner Frau Waltraut Seitter, erhielt man in den Vorträgen stets auch einen persönlichen Eindruck von den beiden Astronomen, die zwar in der Welt zuhause waren, aber immer in ihr Haus in Schalkenmehren zurückkehrten. Gewissermaßen waren sie Jahrzehnte lang sowas wie die Nachbarn des großen Eifel-Observatoriums, immerhin wohnten sie im letzten Haus in der Straße, die hoch zu den Teleskopkuppeln auf dem Hohen List führt – so sind sie doch immer Bonner Astronomen geblieben.
Enge Freunde, ehemalige Kollegen und Referenten erinnerten sich auf ihre eigene Art an das Ehepaar Duerbeck/Seitter. Andreas Hänel erinnerte sich an Kartoffelsalat mit Würstchen, an Weihnachtsfeiern mit Bowle dachte man, eine astronomische Sonifikation fiel jemandem ein, Christiaan Sterken (empfehlenswert sind seine Erinnerungen mit einem Goethe’schen Titel), Astronom in Brüssel, erzählte von Spaziergängen und lustigen Postkarten von Hilmar, man erfuhr wie schwer es die erste Astronomie-Professorin anfangs hatte und wie über einen Bierdeckel zwei kleine Asteroiden nach Hilmar Duerbeck und Gisela Münzel benannt wurden. Frau Münzel (*1929) – im Foto zusammen mit Duerbecks Patensohn -, die die letzten 12 Jahre mit Duerbeck zusammenlebte, war für das Gedenkkolloquium extra aus Leipzig angereist. Nachdem Michael Geffert mit einem Flügelhorn für einen musikalischen Abschluss sorgte, unterhielt ich mich noch etwas mit der 84-Jährigen. So erzählte sie mir u.a. noch, wie sie kurz nach dem Krieg von einem Trümmerberg aus mit dem geliehenen Schulfernrohr in die Sterne schaute und kurz danach mit dem Fernstudium der Astronomie in Jena begann.
Und spätestens wenn sie von ihrem Hilmar als einen “sehr aufmerksamen und gutwilligen Menschen” spricht, wird klar, dass nicht nur die Freunde und Fachleute der Astronomiegeschichte einen unersetzbaren Menschen verloren haben. [Nico Schmidt]


WDR zu Gast bei den “Sternfreunden Siebengebirge”








Das kleine blaue Schaf im Bad Honnefer Garten von Christian Preuß, Gründer der “Sternfreunde Siebengebirge”, wird nicht schlecht gestaunt haben, als heute Nachmittag auf wenigen Quadratmetern fünf Teleskope samt allerlei elektronischem Equipment dicht gedrängt aufgebaut wurden. An anderer Stelle stand noch ein 8-Zoll-Dobson von Skywatcher und mein kleines 80mm-Richfield-Fernohr bereit. Außer mir war von Seiten des Köln-Bonner-Astrotreffs (KBA) noch Peter Oden dabei. Zu einem Interview-Termin mit den “Sternfreunden Siebengebirge” hatte sich nämlich der WDR, der zu dritt gegen 16:15 MEZ ankam, angekündigt. Und das Beste hierbei: der Himmel war tatsächlich klar! Mit dem Wetter hatten also Sternfreunde wie Filmteam absolut Glück.
Nachdem ich über Peters Sichtung von Jupiter am sonnigen Taghimmel staunte und ihn durch sein Teleskop sogar mit Wolkenbändern sehen konnte, versuchte ich es mit meinem Weitwinkel-Teleskop und dem 40mm-Okular. Und tatsächlich: Während Christian Preuß Fragen beantwortete und sich auch andere Sternfreunde vor der Kamera vorstellten, fand ich ein paar Grad neben dem Halbmond – die Jupiterbedeckung lag geschätzt einen halben Tag zurück – den Gasplaneten als winziges Scheibchen bei 10-facher Vergrößerung am blauen Taghimmel. Der Abstand war zwar schon wieder gewachsen, dennoch zeigte mein Übersichtsokular beide Objekte auf einen Blick. Das beeindruckte nicht nur mich, sondern auch die Familie und Freunde, die sich unter die Hobbyastronomen mischten. Im 8-Zöller ließ sich bei höherer Vergrößerung sogar Io als schwacher Lichtpunkt auf blauem Hintergrund neben dem gestreiften Jupiter entdecken – und alles am späten Nachmittagshimmel. Ein wunderbarer Anblick.
Christian, der auch mal ein Stück des Sikhote-Alin-Meteoriten in die Kamera hielt, erzählte über seine Leidenschaft für die Astronomie, eigene Beobachtungserlebnisse und seine langfristigen Pläne mit den “Sternfreunden Siebengebirge”: Teleskoptreffen auf dem Drachenfels, Planetenwanderweg im Siebengebirge und eine Sternwarte in Bad Honnef. Nun steht aber erstmal der deutschlandweite Astronomietag am 16. März an, aus dem er gleich zwei Tage macht und auch am 17. März eine öffentliche Aktion anbieten will. Sobald die Orte für die öffentlichen Beobachtungen in Bad Honnef feststehen, werde ich sie auch in meinen Astroterminen für Bonn bekanntgeben.
Als sich das Filmteam gegen halb 7 verabschiedete, war Jupitermond Io schon sehr dicht an seinen Planeten herangerückt. Da die Reporterin noch nicht wusste, wann der Beitrag geschnitten wird, war auch noch offen, wann er in der WDR-Lokalzeit ausgestrahlt wird. Eine Stunde später dann, als nur noch Christians 12- und 8-Zöller aufgebaut waren, konnten wir bei ruhigen Seeing-Momenten tatsächlich in beiden Geräten Io vor dem Jupiter sehen – durch den guten Kontrast zu einem dunklen Wolkenband. Abschließend überraschte uns sogar noch die ISS in Venushelligkeit. [Nico Schmidt]
NACHTRÄGE: Dann hier noch die erwähnte Tagaufnahme von Jupiter, die ohne besonderen Aufwand erstellt wurde (DMK21 im C9.25, 2.350mm), wobei natürlich die Hintergrundhelligkeit abgesenkt wurde. Links ist noch der Mond Io lange vor seinem Transit zu erkennen. [Peter Oden] Noch mehr von dem Dreh ist auch hier zu finden. [Daniel Fischer]
Bonner “Sammlung historischer Himmelsaufnahmen” inkl. Vorträge

Im neuen Programmheft “Museen und Sammlungen der Universität Bonn” zu aktuellen Veranstaltungen und Ausstellungen, wird auch auf den Schatz aus 15.000 Himmelsaufnahmen der Bonner Astronomen hingewiesen. Dazu kann nun eine Sammlung im Argelander-Institut für Astronomie (AIfA) besichtigt werden. Sie umfasst in erster Linie Karl Friedrich Küstners Fotoplatten, die zwischen 1899 und 1922 in einem neu errichteten Nebengebäude der Bonner Sternwarte in Poppelsdorf am größten Fernrohr von Bonn entstanden. Außerdem enthält sie Beobachtungsmaterial von 1952 bis 2010 des Eifel-Standortes Observatorium Hoher List (OHL), das vergangenen Sommer geschlossen wurde, und von 1932 bis 1960 aufgenommenes Plattenmaterial des 34cm-Zeiss-Astrographen auf dem Hainberg der Sternwarte Göttingen.
Ein ganz frisch gehobener Teil des Schatzes tauchte erst 2012 in den Weiten des AIfA-Archivs auf und ist nun ebenfalls Bestandteil der Sammlung. Es geht um die gefundenen Beobachtungstagebücher von Julius Schmidt, der vor seiner Zeit als Bonner Astronom kurz an der Sternwarte Düsseldorf-Bilk arbeitete. Hier entdeckte er im Juni 1845 unabhängig einen hellen Kometen und konnte ihn an neun Tagen beobachten; Schmidts Zeichnungen sind sehr wahrscheinlich die einzigen Darstellungen des großen Juni-Kometen (C/1845 L1 oder 1845 III), der ein paar Tage zuvor von Antonio Colla entdeckt wurde.
Die Sammlung kann nur nach Rücksprache besichtigt werden, Anfragen dazu bitte an Herrn Michael Geffert: geffert(at)astro.uni-bonn.de
Herr Geffert, der auch den gezeigten Youtube-Clip mit Julius Schmidts Kometenzeichnungen von 1845 erstellte, wird im Rahmen der historischen Sammlung außerdem drei Vorträge halten, was ebenfalls im AIfA in Bonn-Endenich stattfinden wird.
05. April um 19 Uhr: “Die hellsten Kometen der letzten 200 Jahre”
03. Mai um 19 Uhr: “Unser Mond – Beobachtungen, Aufnahmen, Theorie”
31. Mai um 19 Uhr: “Spektren – Der Schlüssel zur Erforschung der Sterne”
[Nico Schmidt]
Bonner Physiklehrer bringt Exoplaneten in die Schulen



Entweder werden astronomische Themen aufgrund von straffen Lehrplänen gar nicht erst in der Schule behandelt (etwa durch doppelten Abiturjahrgang 2013 in NRW) oder tauchen nur am Rande im Physikunterricht auf. Dennoch bieten die Bonner Astronomen seit vielen Jahren eine Lehrerfortbildung an und so waren auch gestern Vormittag über 30 Leute im Hörsaal des Argelander-Instituts für Astronomie (AIfA) anwesend. Den Anfang machte Radioastronomin Nadya Ben Bekhti, die über das vielschichtige Thema des interstellaren Mediums (ISM), wozu auch ihr Arbeitsgebiet über kosmische Magnetfelder gehört, erzählte. Außerdem berichtete u.a. Michael Geffert, dessen Telefon Ende der Woche wegen abstürzender Sojus-Raketenstufe, Meteoritenfall in Russland und Asteroid 2012 DA14 nicht mehr still stand, in seinem Kometenvortrag über die hellen Schweifsterne PANSTARRS (neueste Zahlen) und ISON und gab auch Anregungen für Schüler.
Mittlerweile ist es sogar spruchreif, dass beide Astronomen, die seit Jahren viel Öffentlichkeitsarbeit betreiben, für den Juni einen “Monat der Schulastronomie” an Bonner Schulen – hoffentlich mit viel Sonnenbeobachtung – anbieten wollen. Eine offizielle Ankündigung steht noch aus, aber die Planung läuft jetzt auch erst an.
Im letzten Vortrag des Tages wurde noch einmal auf das Projekt WIS (Wissenschaft in die Schulen!), dass auch didaktisches Material zur Astronomie anbietet, hingewiesen, wobei zum Ende der Veranstaltung noch ein direkter Dialog zwischen Forschern und Lehrern stattfand. Ein Mitarbeiter des zdi-Schülerlabors der Uni Köln berichtete beispielsweise über die staunenden Schüler der Mittelstufe (8. bis 11. Klasse), die mit einem Spektroskop arbeiteten und für die schließlich Natrium auf der Sonne ganz selbstverständlich war. Zusammenfassend war es eine gelungene Veranstaltung, was auch ein Lehrer zugab, der 300 Kilometer Anfahrt von Vechta hatte.
Der Beitrag “Exoplaneten in der Schule” stach auf der Fortbildung ganz klar heraus, darüber waren sich selbst die anwesenden Astronomen einig. Matthias Borchardt, Bonner Lehrer für Mathematik und Physik am Tannenbusch-Gymnasium, möchte Exoplaneten in die Schulen bringen. Bereits 2011 war er mit einem Tischmodell zum Nachweis von Transitplaneten (letztes Bild) bei “Schüler experimentieren” dabei und holte den 2. Platz. Nun hat der Physiklehrer vergangenens Jahr verschiedene Anwendungen in Delphi programmiert und ein Beispielkonzept für einen Astrokurs für Klasse 9 ausgearbeitet (Bild 1 und 2). Jetzt warten seine Programme auf den Einsatz im Unterricht – vielleicht schon im nächsten Schulhalbjahr -, wozu nun alle Physiklehrer aufgerufen sind; Rückmeldungen an Matthias Borchardt sind ausdrücklich erwünscht. Alle vier Freeware-Exoplaneten-Programme inkl. zusätzlicher Animationen können einfach hier von seiner privaten Homepage runtergeladen werden. Das Beeindruckende an dieser Arbeit ist, dass hier nicht mit irgendwelchen Zahlen programmiert wurde, sondern mit dem echten Formalismus aus Fachbüchern gerechnet und an tatsächlichen Planeten getestet wurde.
Wie alle angebotenen Anwendungen bietet das Programm zur Transitmethode viele Einstellmöglichkeiten, so dass unterschiedliche Profile von Lichtkurven nachvollziehbar werden (Bild 3). Es werden sogar die Randverdunklung des Sterns und Sternflecken (Bild 4) berücksichtigt, außerdem sind Beispiele echter Exoplaneten enthalten. Überaus anschaulich und vielseitig ist ebenso das Tool zur Radialgeschwindigkeitsmethode, wobei sich der unsichtbare Planet durch den Dopplereffekt seiner Sonne verrät, gelungen. Die Bahn lässt sich frei im Raum drehen und die Bahnparameter sowie die beteiligten Massen sind veränderbar (Bild 5). Auf diese Weise erhält der Schüler ebenfalls ein Gespür dafür, wie einzelne Parameter die Form des Signals beeinflussen. Vertieft wird das in einem separaten Programm zur Kurvenanpassung, wobei frei wählbare Werte für Winkel, Exzentrizität, Periode usw. an eine Doppler-Kurve eines echten Exoplaneten angepasst werden (Bild 6). Für Fortgeschrittene bietet sich noch die Anwendung zur Microlensing-Methode an. Damit lassen sich sogar weit entfernte Exoplaneten entdecken, allerdings müssen die sich im sog. Einstein-Ring befinden, so dass durch den Gravitationslinseneffekt ein kleiner Helligkeitssprung entsteht (Bild 7). [Nico Schmidt]











