10 Perseiden die Stunde, seltsame Fotos und ein mysteriöses Satelliten-Paar

Beobachtungen der Perseiden heute Morgen in der Stunde vor Mondaufgang – 0:00 bis 1:00 MESZ – auf einer Anhöhe bei Witten unter sehr klarem Himmel ergaben allerlei Erkenntnisse: Zum Beispiel kann man auch mitten im Ruhrgebiet problemlos die Sommermilchstraße sehen, wenn sie gerade durch den Zenit geht, bei einer Grenzgröße von etwa 5.1. In dieser Stunde ließen sich dabei für einen Beobachter rund 10 Perseiden blicken, z.T. schön hell und mit kurzer Nachtleuchtspur (Wake), zzgl. etwa 3 anderen Meteoren. Es ergibt sich grob eine Zenit-Stunden-Rate von etwa 60 [NACHTRAG: was zu den Zahlen der IMO gut passt]. Von den gesehenen helleren Perseiden flog natürlich keiner durch’s Bildfeld der Kamera, die mit 25 mm Äquivalent-Brennweite, 800 ISO und Blende 2.8 jeweils 60 Sekunden in den Zenit belichtete – aber auf zwei der Aufnahmen sind lange Spuren zu sehen:

Diese ist die deutlichere (Ausschnitt, kontrastverstärkt), mit der gewissen Anmutung eines Meteors, aber verdächtigerweise parallel zum rechten Bildrand: Kann das ein elektronisches Artefakt sein? Keine andere Aufnahme zeigt diesen Effekt, dafür aber

diese einen Strich quer durch einen Teil des Bildes: (auch) ein Meteor? Die Charakteristika der Perseiden – hohe Winkelgeschwindigkeit – könnten passen. Hier noch am Ende der Session der höher steigende Radiant, nebst Andromeda-Galaxie:

Die erstaunlichste Beobachtung gab es allerdings um 0:35 MESZ, als im Adler im SW ein sehr helles, enges Satelliten-Paar auftauchte – das sich bisher der Identifikation entzieht! Hier die Details in Englisch, da an diverse internationale Experten geschickt: “While visually observing the Perseids in the night 11/12 August 2012 from Witten, Germany, latitude 51.4°N, longitude 7.3°E, at 22:35 UTC I noticed a pair of very bright satellites climbing higher from the SW along the ‘neck’ of Aquila: they were of equal brightness, at first exceeding Altair’s, but fading simultaneously while leaving Aquila and moving towards Cygnus in the zenith where they were lost to the naked eye; the limiting magnitude was about 5.2 mag there. The angular distance between the two objects remained constant and was roughly the same as between Alpha and Gamma Aquilae, i.e. 2 to 3 degrees. NEITHER Heavens Above NOR Calsky list ANY satellite, let alone two satellites, even remotely fitting these observations!” [Daniel Fischer]

NACHTRAG: Das Satelliten-Mysterium – dieses schöne Bild zeigt wohl [NACHNACHTRAG: ja tut es, Zeit & Richtung stimmen] denselben Pass über Deutschland – wurde rasch von den Experten Ted Molczan, Marco Langbroek (s.a. Kommentar) und Tony Beresford aufgeklärt: Es handelte sich um NOSS 3-4, Ozean-Aufklärungssatelliten der 3. Generation. Normalerweise sind sie unauffällig und fehlten daher in den Vorhersage-Tabellen für helle Satelliten, aber wir erlebten einen heftigen Flare in der Sonne, die die Satelliten auf ihren 1000 km hohen Bahnen optimal erwischte. NACHTRAG 2: Auch hier wurden die NOSSe erwischt. NACHTRAG 3: Und in diesem Zeitraffer-Video huschen sie bei 0:31 vorbei! NACHTRAG 4: Der NOSS-Doppelflare scheint so ziemlich jedem Perseidenbeobachter aufgefallen und x-mal fotografiert worden zu sein.

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Astrojournalismus seit 1982

Veröffentlicht am 12. August 2012 in Beobachtungsbericht, Bilderstrecke, Eigene Bilder & Videos und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. Your mystery satellite pair was the NOSS 3-4 duo (2007-027A & C), a pair of US Navy SIGINT satellites.

  2. Ich hab letzte Nacht in mehreren Sessions 8 Perseiden und 1 sporadischen Mteor gesichtet, dazu 2 Iridium-Flares, 2 ISS-Überflüge, eine ganze Flotte asiatischer Himmelslaternen (ja, es gibt sie offenbar doch noch), am frühen Morgen dann Venus, Mond und Jupiter sowie Merkur erstmals in seiner aktuellen Morgensichtbarkeit (mit bloßem Auge ging er allerdings noch nicht). Jupiter war 10 Minuten NACH Sonnenaufgang noch mit bloßem Auge sichtbar! Und die beiden flarenden Satelliten habe ich auch gesichtet, hatte auch schon an NOSS gedacht und wollte das noch checken – aber das hat sich ja jetzt schon geklärt. Im Moment gibt es übrigens über Bonn Bilderbuch-Zirren und beide Nebensonnen – die himmlische Wochenendshow geht weiter. Ausführlicher Bericht folgt dann am Montag oder Dienstag.

    Viele Grüße,

    Stefan

  3. Hallo,
    mein Name ist Alex Schweigert. Ich habe auf Twitter einen Link zu Ihrem Beitrag gefunden.
    Zufällig habe ich wahrscheinlich zwei Fotos gemacht, die eventuell zu Ihrem Beitrag passen.
    2 Bildpaare jeweils mit Rohdatei (20Mb .zip) :
    http://www.weidezaun.info/webcam/downloads/doppelstrichspur.zip
    Viele Grüße
    Alex Schweigert

  1. Pingback: Ein himmlisches Wochenende (11./12.08.2012) « Bonner Sterne

  2. Pingback: Weitere größere Artikel « Skyweek Zwei Punkt Null

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