“Chaos and Order”: eine Planetariumsshow ohne Beispiel

Gestern Abend war Premiere, und ab dem 20. Juli kann sie alle paar Wochen im Planetarium Bochum bestaunt werden: “Chaos and Order – A Mathematic Symphony”, eine Fulldome-Video-Show, die völlig aus dem Rahmen fällt. Erdacht und realisiert vom AV-Künstler Rocco Helmchen (in den Premieren-Fotos unten links), der sich selbst als Astronomy-Lover und Geek bezeichnet, hat sie nur am Rande mit dem Weltraum zu tun: Gezeigt werden nacheinander und immer in Bewegung zahlreiche spektakulär raumgreifende mathematische Gebilde und dreidimensionale Visualisierungen (Stills oben), die zwar durch kurze Einblendungen jeweils beim Namen genannt werden, ansonsten aber nur durch ihre Ästhetik wirken – und Teil einer echten Symphonie in vier Sätzen und mit Zwischenspiel sind. In zwei Jahre währendem engem Wechselspiel mit der Umsetzung von Helmchens aufwändigen Computergrafiken schrieb Johannes Kraas (in den Fotos rechts) die Musik dazu und spielte sie auch komplett selbst ein: Der 4-Minuten-Trailer hier mag einen vagen Eindruck von dem Gesamtwerk vermitteln, wobei man sich das runde Bild in eine Halbsphäre projiziert denken muss.

In Worten beschreiben lässt sich “Chaos and Order” – das bereits eine Auszeichnung gewann – kaum, zu vielfältig sind die mathematischen Konstrukte, die über die Kuppel huschen, und die Ideen bei ihrer visuellen Umsetzung. Die manch verwegene Assoziationen wecken mögen, etwa bei simuliertem Fließen an den flüssigen T-1000 aus “Terminator 2: Judgment Day” oder im letzten und dramatischsten Satz an die Maschinen aus “The Matrix Revolutions”: Die finalen Flüge durch dreidimensionale Fraktalgebilde in wüst ‘ausgeleuchtetem’ Science-Fiction-Look würden jedem Kino-Blockbuster zur Ehre gereichen. Das neue Medium Fulldome-Video wird hier bis an die Grenzen ausgereizt und kreiert ein fast beängstigendes Immersions-Erlebnis. Die immer wieder auf’s Neue überraschende Bilderpracht und die facettenreiche Musik harmonieren dabei auf’s Vortreffliche, und etwas Ruhe kehrt nur im Zwischenspiel ein, wenn – jedenfalls in der Bochumer Urfassung – statt der High-End-Videoprojektoren der klassische Sternenprojektor das Sagen hat und mit diversen eingeblendeten Skalen kosmische Mathematik an die Kuppel wirft. Bis das atemberaubende Fulldome-Spektakel auf Neue einsetzt. [Daniel Fischer. NACHTRÄGE: ein weiterer Bericht, noch einer und noch einer]

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Astrojournalismus seit 1982

Veröffentlicht am 7. Juli 2012 in Ankündigungen, Astronomie & Musik, Veranstaltungsbericht und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

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